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Hochfliegende Pläne für Athens Geisterflughafen

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Hochfliegende Pläne für Athens Geisterflughafen

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Auf dem stillgelegten Athener Flughafens Ellinikon könnte Europas größtes Immobilienprojekt entstehen. Die Pläne für das Areal sind hochfliegend: auf dem weitgehend verlassenen Gelände soll ein sechs Millionen Quadratmeter großer Freizeitpark von Weltniveau entstehen. Bescheidenheit ist der Planer Sache nicht.

Odisseas Athanassiou, Chef der Immobilienfirma Lamda Development: “Dieses Projekt wird Griechenland als Touristenziel wieder auf die Karte setzen, da es hier verschiedene Dinge vereint. Es gibt Plätze auf der Welt, wo man große, schöne Parks findet, an anderen hat man Zugang zum Meer, andere wieder warten mit einem tollen Klima auf. Hier haben wir eine Kombination der drei. Wir werden das größte und modernste Aquarium Europas bauen mit einem Museum über das Leben im Meer, es wird einer der größten Parks Europas und ein Turm mit Wohnungen wird der höchste seiner Art im Mittelmeerraum sein.”

Am 28. Mai 2001 hob hier der letzte Flieger ab. Das Gelände wurde in Teilen für die Olympischen Spiele 2004 genutzt, doch auch die ehemaligen Sportstätten werden nicht mehr genutzt.

euronews-Reporterin Symela Touchtidou: “Die Privatisierung des ehemaligen Flughafens war weder schnell noch einfach. Seit dem offiziellen Startschuss sind 30 Monate vergangen. Neun Unternehmen hatten ursprünglich Interesse gezeigt, doch nur eines hat ein verbindliches Angebot eingereicht und den Zuschlag erhalten. Wann die Arbeiten losgehen, ist unklar, denn erst müssen zahlreiche bürokratische Hürden genommen werden.”

Außerdem gibt es Kritik. Die örtlichen Behörden monieren, dass der Preis zu niedrig gewesen sei. Bezirks-Bürgermeister Christos Kotzidis führt eine Kampagne gegen die Parkpläne an.

Kotzidis: “Weder die Menschen in diesem Stadtteil noch die im Rest Athens haben etwas davon, wenn man hier Luxuswohnungen, Hotels, Casinos und Einkaufsmeilen baut. Die Menschen brauchen Parks und offene Erholungsgebiete.”

Großen Investitionsprojekten schlägt in Griechenland häufig Skepsis entgegen. Doch das Land hat massive Probleme und eine Arbeitslosigkeit von mehr als 26 Prozent. Ein griechisches Wirtschaftsforschungsunternehmen schätzt, dass das Projekt 90.000 Jobs schaffen könnte.

Nikos Vettas von der Foundation for Economic & Industrial Research: “Die griechische Wirtschaft braucht dringend eine neue, einträgliche und umfangreiche Finanzierung sowie die Stärkung der Binnennachfrage. Am Ende des Projekts im Jahr 2026 könnte unsere Wirtschaftsleistung um 2 Prozent steigen.”

Hinter dem Projekt steht neben einem chinesisch-arabischen Konsortium vor allem die griechische Immobiliengesellschaft Lamda Development. Sie gehört in Teilen Griechenlands einflussreicher Latsis-Familie, die zu den größten Profiteuren des Rettungsschirms zählt.