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"Boyhood" - ein langes Filmexperiment

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"Boyhood" - ein langes Filmexperiment

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Wenn Richard Linklater einen Film macht, nimmt er sich Zeit. Manchmal sogar ziemlich viel Zeit. 12 Jahre dauerte der Dreh von “Boyhood”. Der knapp dreistündige Streifen mit Ellar Coltrane zeichnet das berührende Porträt eines Jungen, der quasi vor laufender Kamera aufwächst.
Ein waghalsiges Projekt mit ungewissem Augsang. Hatte der Regisseur nicht Angst, dass irgendetwas schiefgehen könnte in der dieser langen Zeit?

Richard Linklater: “Eigentlich nicht, es war wie im wirklichen Leben. Unerwartete Dinge können geschehen und den Verlauf der Geschichte verändern. Aber das kann jedem von uns jederzeit passieren. Man muss einfach Vertrauen haben. Letztlich ist es ein optimistischer Film geworden, finde ich. Wir haben uns gesagt: ‘Na gut, von nun an verbringen wir 12 Jahre zusammen und es wird sich lohnen, denn wir erzählen eine Geschichte auf eine völlig neue Art, wenn wir es richtig anstellen.’ Es war ein spannendes Lebensprojekt, an dem wir alle teilhatten.”

Zur Filmfamilie gehörten Ethan Hawke und Patricia Arquette. Ebenfalls mit dabei war die Tochter des Regisseurs Lorelei Linklater.

Besonders einschneidend war der Film wohl für den Hauptdarsteller. Ellar Coltrane war sechs, als der Dreh begann und achtzehn, als er zu Ende ging, seine gesamte Jugend.

Ellar Coltrane: “Ich interessierte mich schon als Kind sehr für Filme. Und Mir war absolut klar, wie merkwürdig und experimentell das Ganze war. Ich habe mich schon immer für bizarre Dinge begeistert. Deswegen habe ich an diesem Projekt teilgenommen.”

Richard Linklater: “Wir waren eine große Familie, nicht nur die Schauspieler, sondern auch alle anderen, die daran beteiligt waren, also eine Menge Leute. Es war jedes Jahr wie ein Familien-Sommercamp.”

“Boyhood” wurde auf der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Regie-Bären ausgezeichnet und hatte Anfang Juni Deutschlandpremiere. Er kommt nun in die britischen und US-amerikanischen Kinos.