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Der Kreml schaut wieder nach Kuba

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Der Kreml schaut wieder nach Kuba

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Das wurde das erste russische Kriegsschiff nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde in Havanna mit Salutschüssen begrüßt. 2008 war das. Man könnte auch von Freundenböllern sprechen, denn Kuba hatte in den vergangenen Jahren die Hilfe aus dem Kreml schmerzlich vermisst.

Begonnen hatten die engen Beziehungen, als 1962 Anhänger des gestürzten Diktators Batista mit US-Hilfe die Revolution des Fidel Castro mit Gewalt beenden wollten. Daraus wurde die berühmte Niederlage in der Schweinebucht. Im Kreml erkannte man die Chance, durch Hilfe für Castro sich einen Vorposten vor der Haustür der USA zu verschaffen. Die Sowjetunion schickte Mittelstreckenraketen, in letzter Minute siegte die Diplomatie und die Welt schrammte knapp an einem Atomkrieg vorbei.

Von da an hing Kuba am Versorgungstropf der Sowjetunion und der anderen Ostblockstaaten. Was da als “gegenseitiger Handel” ausgewiesen wurde, war ein sehr spezieller: Wirtschaftshilfe gegen Stützpunkte von strategischer Bedeutung. Und Kuba wurde sowjetischer Wirtschaftshilfe zum “Schaufenster der Sozialismus” für die armen lateinamerikanischen Staaten ausgebaut. Als Gorbatschow 1989 zu Besuch kam, war ihm das alles schon viel zu teuer.

Russland als Rechtsnachfolger der abgewickelten Sowjetunion erließ Kuba letztlich 90 Prozent der Schulden. Es war ohnehin aussichtslos, auf Rückzahlung von 23 Milliarden Euro zu hoffen. Selbst um die restlichen 2,6 Milliarden Euro irgendwann zurück zu bekommen, musste Russland auf Castros pleite gegangener Insel erst einmal Investitionen nachschießen. So wurde ein Art Umschuldungslösung durch Re-Investition gefunden. Der Tiefwasserhafen von Mariel ist so eine Investition. Andere Mittel gingen in die Infrastruktur. Und dann dürfte man sich im Kreml an die strategischen Vorteile einer engen Zusammenarbeit mit Kuba erinnert haben. Die Insel ist das geradezu ideale Sprungbrett in Richtung Lateinamerika. Und dann sind da auch schon wieder Schiffe, die nicht dem Handel dienen. Natürlich weiß der Geheimdienst-Profi Wladimir Putin, wie weit sich von Kuba aus die Ohren Richtung USA aufsperren lassen. An einen Ausbau der neuen russisch-lateinamerikanischen Beziehungen in Richtung Venezuela und Nikaragua ist auch schon gedacht.