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WM vorbei - wie weiter, Brasilien?

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WM vorbei - wie weiter, Brasilien?

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“Wo sind die angekündigten sozialen Unruhen geblieben”, fragt FIFA-Boss Sepp Blatter nach dem Abpfiff und macht dem brasilianischen Volk Komplimente. Wie die ankommen? Auf den Plakaten steht “Fuck FIFA”.
Ganz offensichtlich hat der weltweit umstrittene mächtige Fußballboss nach dieser WM im Austragungsland keine Fans hinzugewonnen. Und das dürfte nicht nur am enttäuschenden Abschneiden der Gastgebermannschaft liegen. Kann schon sein, dass die Gastgeber die eigenen Kräfte überschätzt hatten, nicht nur jene auf dem Rasen.

Jetzt wird abgebaut, die Touristen packen die Koffer, Hotelliers wie alle anderen, die am Fremdenverkehr verdienen, machen Kassensturz. Dass die enormen Kosten für den Bau von Glitzerstadien sich rechnen könnten, hatte ohnehin niemand erwartet. Man hat die bitteren Erfahrungen aus Südafrika, wo die ohne WM viel zu großen Stadien ungenutzt verrotten. Weit hinten in der brasilianischen Provinz wird es jetzt genau so kommen, man braucht nicht viel Fantasie, um sich das vorzustellen. Ein wenig ökonomischer Sachverstand reicht schon.
Und der Unmut der Braslilianer, die für vier Wochen Fußballfest weitere Jahre vergeblich auf Schulen und Krankenhäuser warten werden, wird steigen.

Die während der WM in der Nähe eines Stadions eingestürzte Brücke liegt da wie ein Symbol für abgestürzte Fehlplanungen. Ob da die zeitweilige Superauslastung der Flughäfen trösten kann oder die hundertprozentige Auslastung der Hotels von Rio für vier Wochen? Knapp 700.000 Touristen aus mehr als 200 Staaten – das waren 132 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ein Rekord, der so nicht wiederholbar ist. Dafür steht zu befürchten, dass die sozialen Unruhen sich sehr bald wiederholen werden.