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Baschar al-Assad - syrischer Herrscher in Bedrängnis

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Baschar al-Assad - syrischer Herrscher in Bedrängnis

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Durch die Stadt Deraa im Süden von Syrien schien im März 2011 auc h ein zarter Frühlingshauch zu wehen.
Das war zu einer Zeit, als in Tunesien bereits das Wort vom “arabischen Frühling” geprägt worden war für das Aufbegehren eines Volkes gegen Unterdrückung. In Deraa leben überwiegend Sunniten. Der Familienclan der Herrscherfamilie Assad gehörd zu den Alewiten. Solche religiösen Unterschiede spielen eine große Rolle.
Staatspräsident Baschar al Assad, Sohn des Langzeitherrschers Hafez al Assad, tat zu diesem Zeitpunkt die Proteste noch ab als “Werk von Unruhestiftern”, die Syrien destailisieren wollten. Er sprach von Verschwörungen, die es immer gegeben habe, seit Syrien seine Unabhängigkeit erlangt hatte und seit der souveräne syrische Staat Entscheidungen treffe, die nicht jedermann gefallen. Da sei es normal, dass solche Proteste von Gegnern und Feinden inszeniert würden. Zehn Monate nach den ersten Anti-Assad-Demonstrationen sah sich das Regime auch mit Aufruhr innerhalb der Armee konfrontiert. Hohe Offiziere kündigten Assad die Loyalität. Das war schon eine andere, bedrohlichere Qualität von Aufruhr.
Assad reagierte mit Versprechen. Er kündigte öffentlich Reformen an:“Wir werden mit der einen Hand Reformen durchführen und mit der anderen Hand den Terrorismus bekämpfen.”

Am Ende des Jahres 2012 hatte Assad die Kontrolle über wichtige Teile des Landes verloren.
Rebellen beherrschten ganze Städte und Landstriche. Im russischen Sender “Russia Today” sagte Assad, mit denen werde er auf keinen Fall verhandeln. Wörtlich:“Ich bin keine Marionette. Ich bin nicht vom Westen programmiert worden, um in den Westen oder in ein anderes Land zu gehen. Ich bin Syrer. Ich bin in Syrien erzogen worden und ich habe in Syrien zu leben und zu sterben.”

Auf Russland kann sich Assad verlassen. Russland liefert ihm als Gegenleistung für den Flottenstützpunkt am Mittelmeer Waffen. Ebenso Iran. China und Russland halten ihm mit ihrem Veto im UN-Sicherheitsrat den Rücken frei. Und da Assad mit Iran verbündet ist, kann er auch auf die schiitischen Hisbollah-Kämpfer zählen, die ihre Basis im Nachbarland Libanon haben. Mit ihrer Hilfe konnten die Rebellen aus der Stadt Qousseir in der Nähe der libanesischen Grenze vertrieben werden. Das brachte im gewissen Sinne eine Wende in den bewaffneten Auseinandersetzungen. Von nun an nahm die Gewalt zu, wurde kaum noch Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen. Das Eingreifen der schiitischen Hisbollah lockte weitere sunnitische Islamisten an.
Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller, immer brutaler.

Nur die Gefahr des Einsatzes von chemischen Waffen konnte gebannt werden, weil Assad zustimmte, die noch aus der Herrschaftszeit seines Vaters stammenden Chemiewaffen unter internationaler Aufsicht zur Vernichtung abtransportieren zu lassen.