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E-ELT: Das riesige Teleskop soll unbekannte Gebiete des Universums erforschen

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E-ELT: Das riesige Teleskop soll unbekannte Gebiete des Universums erforschen

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Die chilenische Atacamawüste ist bekannt für gar nichts: kein Wasser, keine Pflanzen, keine Tiere. Das macht es zum perfekten Ort für ein bahnbrechendes Projekt, für den Bau des E-ELT, das European Extremely Large Telescope.

Zur Vorbereitung des Baus wurde ein Teil des Berggipfels des Cerro Armazones gesprengt, um ihn einzuebnen. “Wir sprengen die Spitze des Berges, um Platz für eine Konstruktion zu schaffen, die alles in den Schatten stellt, was wir bisher gebaut haben”, so Rob Ivison von der ESO.

Roberto Tamai, Programme Manager der ESO, beschreibt den Moment der Sprengung: “Von hier aus, 25 Kilometer entfernt, hört man nur ein ‘Pfft’, aber wir haben 5000 Kubikmeter Gestein gesprengt, gut 11.000 Tonnen Fels gingen in die Luft.”

Der 3000 Meter hohe Berg hat bald eine Plattform von 150 Meter Durchmesser auf seiner Spitze. Die Europäische Südsternwarte (ESO) wird das Riesenteleskop E-ELT bauen. Es wird so groß wie ein Fußballstadium mit einem Spiegel von 39 Meter Durchmesser.

“Bau es, tu es, mach es für die Wissenschaft verfügbar – das ist meine Rolle”, sagt Roberto Tamai. Das klingt einfach, aber die Herausforderungen waren enorm. “Wir sind hier wirklich am Ende der Welt, wir müssen die Zufahrtstraße schaffen, die Plattform bauen und alles erschaffen, um sie zu betreiben”, sagt er.

Warum hat die ESO diesen Standort überhaupt für ihr neues Riesenteleskop gewählt, wenn die Region so abgelegen und unzugänglich ist? Das erklärt Rob Ivison: “Wir haben lange geprüft, über welchem Berg der klarste Himmel ist, welcher die meisten wolkenfreien Nächte hat und wo es das schwächste Sternenfunkeln gibt. Dieser eignete sich am besten und deswegen bauen wir das Teleskop hier.”

Das E-ELT wird von der ESO vom 25 Kilometer entfernten Paranal-Observatorium aus betrieben. Eine Oase der Wüste, die bereits Schauplatz im James-Bond-Film “Ein Quantum Trost” war.

Am Tag bleibt es ruhig, erst am Abend kommt Leben in das VLT, das Very Large Telescope öffnet sich zum Himmel und die Wissenschaftler gehen an die Arbeit. Valentin D. Ivanov von der ESO erklärt: “Das ist die Leitwarte des Paranal-Observatoriums. Von hier aus werden die Teleskope gesteuert.”

Wissenschaftler sammeln hier jede Nacht Daten für die Kollegen in Europa. Sie beobachten alles, von fernen Galaxien bis zu den Planeten unseres Sonnensystems. Bereits das VLT ist ein leistungsfähiges Werkzeug, doch das E-ELT wird laut Ivanov einen Paradigmenwechsel einläuten: “Es gibt Sterne, die wir gerade noch aus dem Weltraum oder vom Boden aus erkennen können. Mit dem was wir bisher haben, können wir keine Spektrumanalyse machen. Mit dem E-ELT werden wir dazu in der Lage sein, wir werden so viel mehr damit machen können – es ist atemberaubend.”

Wie funktioniert das E-ELT im Vergleich zu den besten Teleskopen im All? Maschinen wie das von der NASA und ESA gemeinsam entwickelte Hubble-Weltraumteleskop haben einen ungestörten Blick auf das Universum aus dem All. Sein Nachfolger JWST kann sogar Wellenlängen orten, die wir von Boden nicht ausmachen können. Aber das E-ELT wird mehr Licht sammeln und eine höhere Detailschärfe haben.

“In bestimmten Bereichen ist der Weltraum sehr wichtig, um beispielsweise das, was wir als thermisches Infrarot bezeichnen, zu beobachten. Der Weltraum eignet sich gut, um ultraviolette Strahlung zu beobachten. Aber es gibt Bereiche, die können wir in höherer Auflösung vom Boden aus beobachten, wir können verschiedene Techniken verwenden. Es sind verschiedene Bereiche, die nicht im Wettbewerb miteinander stehen, sondern sich ergänzen”, so Stephane Brillant von der ESO.

Ewine van Dishoek, Professorin für Astronomie an der niederländischen Leiden-Universität, ergänzt: “Viele Astronomen nutzen Daten aus dem Weltraum und ergänzen sie mit Daten vom Boden. So arbeitet man aktuell, Wissenschaftler nehmen die Daten vom Hubble-Weltraumteleskop, das sehr schwach strahlende Objekte findet, und macht dann mit dem VLT eine Spektrumanalyse davon.”

Einige dieser sehr lichtschwachen Objekte, nach denen die Wissenschaftler forschen, sind tatsächlich Planeten, die um andere Sterne kreisen. Diese Exoplaneten sind ein Schlüsselziel des E-ELT, wenn es dann nach einem Jahrzehnt gebaut sein wird.

“Wir werden das erste Mal Planeten sehen, die um andere Sterne kreisen, und wir werden feststellen können, ob es dort irgendwelche Zeichen von Leben gibt. Das wird natürlich unser Leben komplett verändern. Es wird eine andere Welt sein, wenn wir wissen, dass wir nicht allein sind”, so Rob Ivison

Die Suche nach außerirdischem Leben geht weiter – mit Weltraum- und Bodenteleskopen, und bald mit dem E-ELT, hier aus der fast unbewohnten Atacamawüste.

Colosimo Photography