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Flugzeug-Absturz könnte Position der EU gegenüber Moskau ändern

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Flugzeug-Absturz könnte Position der EU gegenüber Moskau ändern

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Über die jüngsten Entwicklungen nach dem Absturz der malaysischen Boeing in der Ukraine sprechen wir mit unserem Kiew-Korrespondenten Sergio Cantone.

Sabrina Pisu, euronews
Moskau und Kiew weisen sich gegenseitig die Schuld zu. Wie sehen die Reaktionen der Kiewer aus nach der Tragödie und dieser zusätzlichen Verschärfung der politischen Spannungen?

Sergio Cantone
Viele sind sehr besorgt, aber es gibt auch von ukrainischer Seite aus den Gedanken, dass dieses Unglück die Position der EU gegenüber Moskau verändern könnte, die von vielen hier in Kiew als zu schwach und nachlässig empfunden wird. Ein derartiger Schock, ein solches Unglück, bei dem zahlreiche EU-Bürger ums Leben gekommen sind, könnte Brüssel und die EU-Länder dazu bringen, ihre Position in dieser Krise neu auszurichten.

euronews
Der Regierungschef der Ukraine, Arseni Jazenjuk, sagte, die Schuldigen müssten vor den Internationalen Strafgerichthof. Haben denn die internationalen Ermittler Zugang zum Absturzort um herauszufinden, wer denn verantwortlich ist?

Sergio Cantone
Im Moment ist die Nachrichtenlage nicht sehr klar, was den Absturzort angeht. Die Stelle wird von den Separatisten kontrolliert. Aber die Ermittlungen müssen nach internationalem Recht von Kiew durchgeführt werden, die ja die offiziellen Machthaber in diesem Gebiet sind. Allerdings haben die Mitglieder einer spontan aufgestellten Experten-Kommission Schwierigkeiten, zum Absturzort zu gelangen, dabei müssen sie ihn untersuchen, die Wrackteile analysieren und die Leichen der Opfer bergen.

euronews
Die prorussischen Separatisten haben versprochen, für zwei bis vier Tage das Feuer einzustellen, um die Bergung der Wrackteile zu ermöglichen. Wie sieht die Lage im Moment an der Unglücksstelle aus?

Sergio Cantone
Die Situation ist sehr angespannt, es ist zwar von einer Waffenruhe die Rede, aber im Moment gehen die Kämpfe weiter, zwar nicht an der Absturzstelle, aber in ihrer Umgebung. Die ukrainischen Sicherheitskräfte sagen, sie seien dabei, etwa die Grenze undurchlässig zu machen, um das Eindringen von Kämpfern aus Russland zu verhindern, und das zieht natürlich Kämpfe nach sich. Daher gab es auch in der Nacht Zusammenstöße, trotz des Flugzeugunglücks.

euronews
Putin hat gesagt, die Tragödie bestätige die Notwendigkeit einer friedlichen Lösung der Krise. Könnte der Absturz des malaysischen Flugzeugs nun den internationalen Druck erhöhen, die Krise in der Ukraine zu lösen?

Sergio Cantone
Wir befinden uns sicher an einem Wendepunkt in dieser Krise, die dabei ist, sich extrem zu verschlimmern. Es könnte tatsächlich eine Gelegenheit zur Deeskalation sein. Aber man muss nun abwarten und sehen, zu welchen Ergebnissen die Untersuchungen gelangen, und ob die internationale Gemeinschaft dann auf Grundlage dieser Ergebnisse eine deutlichere Position gegenüber den Verantwortlichen dieses Unglücks einnimmt.