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Ägypter ärgern sich über Preissteigerungen: "Sollen wir jetzt betteln gehen?"

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Ägypter ärgern sich über Preissteigerungen: "Sollen wir jetzt betteln gehen?"

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Nur wenige Wochen nach Amtsantritt hat der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi seinem Volk drastische Preissteigerungen zugemutet: Weil die Subventionen für Diesel und Benzin weggefallen sind, kostet Kraftstoff 40 bis fast 80 Prozent mehr. Seit mehr als zwei Wochen sind die Sparmaßnahmen in Kraft. Für viele Ägypter sind die Preiserhöhungen jedoch kaum tragbar, wie ein Mann in Kairo erzählt: “Wir können das nicht lange mitmachen, sollen wir jetzt betteln gehen?”, fragt er. “Die Regierung sollte uns unterstützen, vor allem wenn es um Lebensmittel geht.”

Etwa 34 der insgesamt mehr als 80 Millionen Ägypter lebt an der Armutsgrenze. Auch wenn die Regierung versprochen hat, die Nahrungsmittelsubventionen nicht zu kürzen – die Preiserhöhung für Kraftstoff hat Konsequenzen: “Der hohe Benzinpreis treibt zum Beispiel auch die Preise für Früchte in die Höhe”, so ein Obst- und Gemüsehändler aus Kairo. “Vor der Erhöhung haben wir 80 Pfund dafür bezahlt, um die Lebensmittel hierher zu transportieren, jetzt bezahlen wir über 170 Pfund.”

Sind die teureren Lebensmittel der Preis, den die Ägypter für die Sanierung der Staatskasse tragen müssen? Das Land befindet sich seit Jahren in der Wirtschaftskrise – und fast ein Drittel der Ausgaben des ägyptischen Haushaltes fließen bisher in Subventionen für Kraftstoffe und Grundnahrungsmittel. Dazu die Einschätzung unseres Korrespondenten Mohammed Shaikhibrahim: “Die Entscheidung zur Kürzung der Subventionen für Kraftstoff ist notwendig, um das Haushaltsdefizit zu verringern, sagt die Regierung. Trotzdem bleibt die Frage, wie lange die Ägypterinnen und Ägypter die höheren Preise akzeptieren, noch bevor sie positive Auswirkungen zu spüren bekommen.”

Die Preiserhöhungen gehören zu einem Maßnahmenpaket, mit dem die Regierung das Haushaltsdefizit auf rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes senken möchte. Bislang liegt es bei zwölf Prozent. Die Regierung hat auch eine Erhöhung der Strompreise um rund 30 Prozent angekündigt. Insgesamt will die Regierung die Subventionen für Energie um rund vier Milliarden Euro senken. Frühere Regierungen hatten vor solchen Maßnahmen zurückgeschreckt, weil sie einen öffentlichen Aufruhr befürchteten. In Kairo hatten bereits Taxifahrer gegen die Preiserhöhungen demonstriert.