Eilmeldung

Eilmeldung

EU vor verschärften Russland-Sanktionen

Sie lesen gerade:

EU vor verschärften Russland-Sanktionen

Schriftgrösse Aa Aa

Nach dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH 17 über der Ukraine sieht sich Europas Wirtschaft zum Teil in den Kalten Krieg zurückversetzt. Die USA hatten vergangene Woche ihre Sanktionen gegen Russland erheblich verschärft, die EU will bis Ende Juli nachziehen. Thema der EU-Außenminister an diesem Dienstag: eine Ausweitung der Sanktionen auch auf Unternehmen.

Wenn es nach den USA geht, ist es mit Strafaktionen gegen Personen – also Sanktionen der Stufen eins und zwei – diesmal nicht getan.

Tom Vosa, Marktanalyst der National Australia Bank Group:

“Sanktionen der Stufe drei zielen auf ganze Branchen. Das könnte Energie- und Bankensektor insgesamt treffen. Tendenziell setzen die USA auf exterritoriale Sanktionen – dann würde jeder erheblich bestraft, der mit Russland Geschäfte macht.”

Die USA belegten unter anderem den
Erdöl-Riesen Rosneft mit Sanktionen – das Staatsunternehmen ist der größte russische Ölproduzent und hat gut 40 Milliarden Euro Bankschulden in Dollar und Euro.

Oder Novatek, privat und Nummer zwei bei der Gasproduktion. Pikant: Zu den größten Aktionären zählen Gazprom, Gazprombank und der Konzern Total aus Frankreich.

Die sanktionierten Unternehmen – allen voran das Finanzinstitut Gazprombank, Geldarm von Gazprom und drittgrößte Bank des Landes, sind jetzt von den westlichen Kapitalmärkten ausgeschlossen. Sie dürfen keine Dollar-Anleihen mehr begeben, die länger als 90 Tage laufen – eine wichtige Finanzierungsquelle: abgeschnitten.

Die US-Sanktionen müssen zwar nur von sogenannten US-persons beachtet werden. Die Geschäfte US-amerikanischer Partner deutscher Unternehmen können durch die Sanktionen der USA gegen Russland aber betroffen sein. US-persons dürfen mit den sanktionierten Unternehmen unter anderem keine Finanzgeschäfte mehr abwickeln.

Der Deutsche Industrie- und
Handelskammertag (DIHK) erwartet für dieses
Jahr einen Rückgang des Exports nach Russland um 10 Prozent, Gegenwert vier Milliarden Euro. Etwa 300.000
Arbeitsplätze in Deutschland hingen am Russland-Geschäft.

su mit dpa, Reuters