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70 Jahre Bretton Woods - und wer bringt heute Ordnung in die Weltwirtschaft?

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70 Jahre Bretton Woods - und wer bringt heute Ordnung in die Weltwirtschaft?

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“Die Dimension der Krise verlangt ein Bretton Woods II, eine Versammlung der Besten, die mit Sachverstand, Moral und politischem Willen systematisch an die Arbeit gehen,” sprach der Bundespräsident im Jahr 2008.

Gerade eben war die US-amerikanische Großbank Lehman Brothers hochgegangen, die Finanzkrise blühte – sie sollte ganze Staaten erschüttern. Initialzündung: Misstrauen – die Zinsen für Interbankfinanzkredite waren sprunghaft angestiegen.

Horst Köhler wusste, wovon er sprach: War er doch selbst von 2000 bis 2004 Direktor des Internationalen Währungsfonds IWF, dessen Gründung 1944 in Bretton Woods beschlossen worden war.

In der amerikanischen Ansiedlung rund um ein Konferenzhotel im Staat New Hampshire wurde vom 1. bis 22. Juli unter Führung der USA die Grundlage für die Weltwirtschaftsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt, mit IWF und Weltbank. Der IWF hatte dabei die Aufgabe, das Bretton-Woods-System zu überwachen und zu unterstützen, indem er finanzielle Beihilfe aus den Kapitalbeiträgen seiner Mitgliedsstaaten vergab.

Zwar sind die festen Wechselkurse, vor allem zum US-Dollar, längst passé. Und auch der Goldstandard – das Recht, für Dollars
zum festen Kurs Gold zu kaufen – ging den Weg alles Irdischen. Doch der Rest hielt, einigermaßen.

Und seit der Finanz- Staatsschulden- und Wirtschaftskrise hat sich zumindest die Rolle des IWF drastisch geändert. Um “die Monster Finanzmärkte” (Köhler) zu beruhigen, wenn nicht zu bändigen, treten seine Experten mit Abgesandten von EU-Kommission und Europäischer Zentralbank in der Troika auf – als Kontroller maroder Staatsfinanzen.

Horst Köhler jedenfalls wollte die Schaffung eines neuen Ordnungsrahmens für die Weltwirtschaft, “in dem das Kapital allen zu Diensten ist und sich niemand von ihm beherrscht fühlen muss”. Die Soziale Marktwirtschaft könne international den Durchbruch schaffen. “Wir haben die Chance, eine Globalisierung zu gestalten, die allen zugutekommt”.

Sigrid Ulrich