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Mangelware Wasser in Mauretanien

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Mangelware Wasser in Mauretanien

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Nouakchott, das ist der Name einer Stadt, die um einen Brunnen mit dem selben Namen gebaut wurde. Doch während die Stadt immer größer wurde, wuchs auch ihr Wasserproblem.

Sidi Al Moktar Cheiguer vom Journalistenverband für Umwelt meint, “unsere Stadt ist eingekesselt. Sie liegt oberhalb des Meeresspiegels. Der geringste Tsunami würde die Stadt komplett überfluten. Nouakchott hat nicht genug Abwasserleitungen, das schmutzige Wasser kann nicht abfließen. Wir brauchen einen Stauraum, wo das Schmutzwasser gesammelt werden kann. Es sickert in den Boden und kommt an anderen Stellen wieder hoch, wie hier zum Beispiel.”

Es gibt keine Kanalisation. Das dreckige Wasser verschmutzt die Gegend und stellt ein Gesundheitsrisiko dar. Malariaerkrankungen sind eine Folge.

Al Moktar Cheiguer erklärt weiter, “auch die Wüste bedroht Nouakchott. In den 70er Jahren wurden Dünen bepflanzt, um sie zu befestigen. Doch angesichts der Ausdehnung der Stadt dringt auch der Sand weiter vor.”

Um die Verwüstung aufzuhalten, müssten weitere Bäume gepflanzt werden, doch aus Wassermangel ist das kaum möglich. In wohlhabenderen Stadtvierteln ist das Problem weniger gravierend.

Anwohner Mohamad Memine meint, “wir haben hier fließendes Wasser, es ist trinkbar. Das Wasser stammt aus dem Fluss Senegal und wird über die Kanalisation hergeleitet. So sieht die Lage in den reicheren Vierteln aus.”

Im so genannten Armutsgürtel von Nouakchott wohnen die Ärmsten der sozialen Unterschicht. Die prekären Behausungen haben weder Wasserstellen noch sanitäre Anlagen. Die Bewohner sind gezwungen, sich auf anderem Wege Trinkwasser zu beschaffen.

Eine Anwohnerin meint: “Wir haben nichts, wir kaufen unser Wasser von Straßenverkäufern. Wir haben keine Wasserleitungen, keinen Wasserhahn, nichts, rein gar nichts.”

Wasserstellen befinden sich in einigen Kilometern Entfernung. Sie wurden mit Geldern der Europäischen Union finanziert und gehören der mauretanischen Gesellschaft für Wasserverteilung. Doch die Wasserstellen können auch in privater Hand liegen.
Dort wird Wasser in Kaninstern verkauft, das dann per Esel und Karren in ärmere Viertel weitertransportiert wird. Einige haben daraus einen Beruf gemacht, die Preise können in astronomische Höhen steigen.

Ein Wasserverkäufer rechnet vor: “Wir verkaufen ein Fass für umgerechnet 14 Cent und die da nehmen vier Mal so viel. Für eine Kanne nehmen sie doppelt so viel.”

Einige kaufen ihr Wasser direkt beim Verkäufer. “20l Wasser aus dem Hahn kosten 5 Cent. Wir trinken es nicht nur, wir waschen damit auch unsere Kleidung,” meint der Käufer.

Den ganzen Tag lang säumen Dutzende Wasserkarren die Straßen der Stadt und versorgen auf die Weise eine große Anzahl armer Menschen, die auf dem trockenen sitzen. Eine Besserung ist erstmal nicht in Sicht.