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Schlafstörungen


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Schlafstörungen

Gut ein Drittel der EU-Bevölkerung leidet an Schlafstörungen und besonders an Schlaflosigkeit. Lediglich 20% dieser Menschen befinden sich aber in Behandlung. Die Zufriedenheit mit der Qualität des Schlafes nimmt mit dem Alter ab und betrifft in etwa die Hälfte aller Personen über 65 Jahren.

Um dieses Problem besser zu verstehen, kamen wir in das Institut für Schlafstudien in Lyon, wo wir den Psychiater Alain Nicolas trafen. Er beschäftigt sich seit 1991 ausschließlich mit Schlafstörungen. Zunächst ging es um die Frage, ob die Schlafprobleme in der letzten Zeit wirklich zugenommen haben oder ob sie nur stärker zu Bewusstsein gekommen sind.

Alain Nicolas:
“Aufgrund der Entwicklung der Schlafforschung ist unser Bewusstsein für dieses Problem nicht zuletzt in Europa in den letzten 30 bis 40 Jahren geschärft worden. Aber wir haben im Allgemeinen auch mehr Klagen über Schlafstörungen, vor allem über Schlaflosigkeit. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass der gesellschaftliche Druck insgesamt zunimmt.”

Claudio Rocco, euronews:
“Welchen Einfluss haben neue Technologien auf dieses Problem?”

Alain Nicolas:
“Bezüglich der neuen Technologien ist vor allem der Bildschirm mit den LEDs zu nennen. Es handelt sich dabei um blaues Licht, das einen wichtigen Einfluss auf unsere biologische Uhr hat. Licht hat im allgemeinen Einfluss darauf, dass sich unsere Schlaf- und Weckzeiten verändern. Und das betrifft die ganze Bevölkerung, vor allem die Jugendlichen, die immer später ins Bett gehen.”

Claudio Rocco, euronews:
“In Agrargesellschaften folgten die Menschen dem Rhythmus der Sonne. Heute ist das anders. Was hat das für einen Einfluss?”

Alain Nicolas:
“Die menschliche Spezies hatte sich an den Unterschied von Tag und Nacht gewöhnt, genauso an die Jahreszeiten. Man sagt oft, dass es für den Schlaf keine verhängnisvollere Person gegeben hat als Edison. Das elektrische Licht hat die Nacht beendet. Jetzt können wir 24 Stunden am Tag arbeiten oder unseren Hobbys nachgehen. Das geht natürlich alles auf Kosten des Schlafs.”

Um die Probleme jedes Patienten besser zu verstehen, muss die Gehirnaktivität während seines Schlafes erfasst werden. Außerdem werden die Bewegungen der Augen sowie die Kinnaktivität gemessen. Hierdurch wurde es den Forschern möglich, verschiedene Wachphasen während der Nacht zu bestimmen, in denen der Schlaf weniger tief und also fragmentiert ist. Außerdem wurde festgestellt, dass es Atemaussetzer geben kann. Zwar gibt es für diese Art von Problemen Therapieansätze. Aber es kann bereits helfen einige einfache Regeln zu befolgen:

Alain Nicolas:
“Man sollte einen ruhigen, geschlossenen Raum haben, an dem man sich sicher fühlt, in dem man sich vollkommen entspannen kann und nur an eine Sache denkt: Schlafen. Außerdem sollte man die Uhr und den Wecker vergessen und sich nur auf sein Schlafbedürfnis und seinen Schlaf konzentrieren.”

Claudio Rocco, euronews:
“Wenn man mitten in der Nacht aufwacht, was sollte man dann tun?”

Alain Nicoals:
“Man sollte aufstehen. Das machen aber die wenigsten. Sie haben den Eindruck sich selbst aufzuwecken. Man sollte aufstehen, in ein ruhiges Zimmer mit gedämmten Licht gehe und in Ruhe lesen, um an etwas anderes zu denken. Man liest einige Seiten, beendet seinen Artikel und dann kommt der Schlaf wieder und man kann sich hinlegen und weiterschlafen.”

Claudio Rocco, euronews:
“Ist es ratsam einen Fernseher in seinem Schlafzimmer zu haben?”

Alain Nicolas:
“Man sollte keinen Fernseher an seinem Bettende stehen haben. Außerdem sollte man sich nicht um 20Uhr ins Bett legen und dann noch drei Stunden fernsehen. Das funktioniert niemals. Der Körper versteht nicht, dass man ihn während drei Stunden in der Horizontale vom Schlafen abgehalten hat und nun soll er mit einem Mal Ruhe finden. Die Schlafmotivation ist dann auf einem Tiefpunkt. Zudem ist das Bett bereits vorgewärmt und je höher die Temperatur ist, desto weniger können wir schnell einschlafen. Also, man sollte besser nicht im Bett fernsehen.”

Zusammenfassend gibt es für Doktor Nicolas fünf Regeln, die zu befolgen sind: Dunkelheit, Ruhe, eine gleichbleibende und angenehme Temperatur, ein gemütliches Zimmer, das ausschließlich zum Schlafen da ist. Außerdem regelmäßige Schlaf- und Aufstehzeiten. Letzteres ist in Europa, wo Nachtarbeit und flexible Arbeitszeiten zur Normalität gehören, wohl schwer umsetzbar.

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