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MH17: Viele Anschuldigungen, kaum Fakten

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MH17: Viele Anschuldigungen, kaum Fakten

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Es blieben nur Trümmer. Die Boeing 777 von Malaysia Airlines stürzte am Donnerstag vergangener Woche auf dem Flug von Amsterdam nach Kuala Lumpur in der Ostukraine ab. Fast 300 Menschen kamen ums Leben. Über die Ursache des Unglücks gibt es bisher viele Spekulationen und Schuldzuweisungen, doch wenige Fakten.

Kurz nach dem Absturz warfen das ukrainische Militär und die Separatisten jeweils der Gegenseite vor, die Maschine abgeschossen zu haben.

Der ukrainische Geheimdienstchef Valentin Nalyvaischenko veröffentlichte auf einer Pressekonferenz einen Telefonmitschnitt – seinen Angaben nach ein abgefangenes Gespräch zwischen russischen Militärvertretern und Separatisten, in dem es um den Abschuss eines Verkehrsflugzeugs gehen soll.

US-Präsident Barack Obama hatte ebenfalls schnell vermeintliche Tatsachen zur Hand:
“Beweise deuten darauf hin, dass das Flugzeug von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde. Die Rakete wurde von ukrainischem Territorium aus abgefeuert, das von Russland unterstützten Separatisten kontrolliert wird. Außerdem wissen wir, dass diese Separatisten ständige Unterstützung aus Russland bekommen haben”, so Obama.

Militärexperten vermuten, die Maschine könne von einer Buk-Rakete oder einem Flugkörper des Typs SA-11 getroffen worden sein. Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlichte ein Video, das zeigen soll, wie ein Raketensystem zur russischen Grenze transportiert wird. Ein Sprengkopf soll dabei fehlen.

Russlands Präsident Wladimir Putin wies jegliche russische Beteiligung an dem Unglück zurück.

“Niemand hat das Recht, aus dieser Tragödie Kapital für egoistische politische Ziele zu schlagen. Solche Ereignisse sollten die Menschen nicht trennen, sondern vereinen”, sagte Putin.

Nach Angaben des russischen Generals Andrej Kartopolow registrierte das russische Flugkontrollsystem vor dem Absturz einen ukrainischen Kampfjet, der sich der Boeing 777 näherte.

Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler von der Auswertung des Flugschreibers und der im Cockpit aufgenommenen Gespräche.

“Wir werden erst dann alle Ergebnisse haben, wenn wir die Daten aus den USA und Russland vergleichen können – die Radaraufzeichnungen und die Daten der Abwehrsysteme. Solange wir die Daten nicht haben – nebst der Daten der Untersuchung und der Black Boxes – können wir diese Fragen nicht beantworten”, sagt der russische Ermittler Kirill Entin.

Britische Spezialisten sind mit der Auswertung der Flugdaten betraut, sie sollen Licht ins Dunkel bringen.