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Maria Stuart: Schach der Königinnen

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Maria Stuart: Schach der Königinnen

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Es sind die derbsten Begriffe, die jemals in einer Oper fielen: Donizettis “Maria Stuart” – ein Meisterwerk des ‘Bel Canto’, ist berühmt-berüchtigt für den Schlagabtausch, in dem die katholische Königin die englische Queen eine ‘unreine Tochter der Boleyn’ und ‘obszöne, unwürdige Dirne’ nennt.

Dargestellt werden die beiden wortgewaltigen Damen – zwei Königinnen auf der Opernbühne – von Joyce DiDonato und Carmen Giannattasio. In Covent Garden eben noch frenetisch gefeiert, wurden sie unter den wohlwollenden Blicken der beiden echten Königinnen interviewt.

Mezzosporanistin Joyce DiDonato schwärmt, “sie ist einfach außergwöhnlich, die Streitszene. Jedes Mal, wenn ich sie singe, überrascht sie mich. In der Geschichte der Oper ist sie einfach einmalig.”

Sie fügt hinzu, “ich würde so gern die Zeit zurückdrehen und sehen, ob Donizetti dachte: ‘Ooooh, das wird gut!’ Denn so etwas auf die Bühne zu bringen, war damals ein enormes Risiko, ebenso wie der Begriff ‘widerwärtiger Bastard’ – ich bitte um Verzeihung, Ihre Majestät…”

“Donizetti hat vor allem für ein katholisches Publikum in Italien geschrieben. Er wursste, dass Maria verehrt wurde,” erklärt sie. “Diese beiden starken, zerbrechlichen, machtbewussten Frauen haben sich beide ihrer eigenen Wahrheit verschrieben. Für Maria ist es der Katholizismus, und die Haltung, dass Elisabeth nicht die rechtmäßige Thronerbin ist, es geht um die Wahrheit ihrer Würde und ihrer Weiblichkeit.”

Sopranistin Carmen Giannattasio ergänzt, “natürlich ist das Marias Standpunkt, die katholische Sicht. Maria wird zur Heldin, zu einem Opfer auf dem Altar der Politik, aber – wohlgemerkt – die echte Maria war weit davon entfernt, ein Engel zu sein…”

DiDonato: “Wie bitte? Sie war einfach nur ein bisschen kompliziert…”

Giannattasio: “… ein paar Liebhaber, ein paar Morde, … es fehlte ihr an nichts. Für die machtbewusste Elisabeth – sie ist eine Königin, sie kann alles haben, sie hat alles – ist es viel schlimmer, dass sie die Liebe des einzigen Mannes, den sie will, nicht haben kann. Das zeigt uns die … Verführungsszene… ich würde es eher ‘versuchte Vergewaltigung’ nennen.”

Die Arbeit auf der Bühne bereitet der Sopranistin großes Vergnügen. “Ich fühle mich wirklich als Schauspielerin… Vergessen wir nicht, als Monteverdi die Oper erfand, dass sie als “Schauspiel mit Gesang” definiert wurde: Also: Zuerst schauspielen, dann singen,” so die Devise von Giannattasio.

Es sind Rollen, die den beiden Gesangsdiven Großes abverlangen. DiDonato: “Die Rolle ist möglicherweise die größte Herausforderung meines Repertoires. Eine Herausforderung für die Stimme, aber auch für Drama und Emotionen . Ich muss mein ganzes Ich in diese Rolle stecken, damit sie zu Leben erweckt wird, so, wie ich es will.”

Mehr zum Thema:

www.telegraph.co.uk/culture/music/opera/10949432/Maria-Stuarda-Royal-Opera-House-DiDonato-dazzles.html

www.thestage.co.uk/reviews/review.php/40024/maria-stuarda-img

Donizettis “Maria Stuarda” im Royal Opera House Covent Garden war der Auftakt des größten italienischen Musikfestivals “Suona Italiano” – mit Klassik, Jazz und Volksmusik, das noch bis Dezember 2014 in Großbritannien zu sehen ist. Das Festival läuft zeitgleich mit der italienischen EU-Ratspräsidentschaft.

Ein großes Dankeschön an die Londoner National Portrait Gallery, in der das Interview mit Joyce DiDonato und Carmen Giannattasio vor einzigartiger Kulisse realisiert werden durfte.