Eilmeldung

Eilmeldung

Costa Concordia: Überlebende erinnern sich

Sie lesen gerade:

Costa Concordia: Überlebende erinnern sich

Schriftgrösse Aa Aa

Mehr als zwei Jahre lang lag das Wrack der Costa Concordia vor der italienischen Mittelmeerinsel Giglio wie ein Mahnmal im Wasser. Am vergangenen Mittwoch, als der Abschleppvorgang in Richtung Genua begann, war der Schrecken für die Einwohner von Giglio beendet. Doch geklärt ist längst nicht alles.

“Wir hoffen, dass sie Russel schnell finden, denn ein Grab ist noch leer. 32 Menschen sind gestorben, und Russel ist immer noch verschollen”, sagt Anne Decre, die Vorsitzende der französischen Vereinigung der Überlebenden des Unglücks.

Russel Rebello, ein Kellner aus Indien, hatte Dienst, als die Costa Concordia am 13. Januar 2012 einen Felsen rammte und kenterte.

Mehr als 4000 Menschen mussten nach der Kollision in Sicherheit gebracht werden, die Evakuierung des Schiffes verlief chaotisch, in den Rettungsbooten brach Panik aus.

Ilse Marie Kischlat und Helmut Buttkus aus Deutschland überlebten das Unglück. Buttkus erinnert sich an bange Momente während der Rettung:

“Die Concordia lag ja schon ziemlich schräg und da ist das Rettungsboot auf der Bordwand praktisch ‘runtergerubbelt”, sagt Buttkus und erzählt weiter: “Etwa zwei, drei Meter über der Wasseroberfläche reichten wegen der Schräglage die Seile nicht weiter. Das musste dann ausgeklinkt werden und knallte dann ‘runter und alles purzelte durcheinander. Und dann habe ich so überlegt: Wenn es sich jetzt überschlägt – da hängenbleibt und überschlägt – dann sind wir alle weg. Wenn wir kopfüber da unten ankommen…”

Am Tag nach dem Unglück wurden die Überlebenden nach Porto Stefano gebracht. Menschen aus 70 Ländern fuhren auf der Costa Concordia – auch der Spanier Pablo Lázaro und seine Familie waren dabei. Sie überlebten. Noch heute wird Lázaro von Albträumen geplagt.

Lázaro zeigt auf die Unglücksstelle und meint: “Wenn das Schiff nicht dort zum Stillstand gekommen wäre, sondern zwanzig Meter weiter rechts, würde man jetzt von 4000 Toten sprechen, dann hätte nämlich keiner überlebt.”

Genau dieses Argument bringt Francesco Schettino, der Kapitän der Costa Concordia, vor Gericht an. Er habe ein größeres Unglück verhindert, meint Schettino, dem unter anderem fahrlässige Tötung und das vorzeitige Verlassen des Schiffes vorgeworfen wird. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu 25 Jahren. Schettino ist das einzige Besatzungsmitglied, das angeklagt ist.