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Bombennacht im Gazastreifen

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Bombennacht im Gazastreifen

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Die Menschen im Gazastreifen am Mittelmeer haben eine der schlimmsten Bombennächte seit Beginn der israelischen Offensive am 8. Juli erlebt.

Nach Angaben palästinensischer Rettungsdienste wurden seit Montagabend mehr als 100 Menschen getötet. Nach Medienberichten griff die israelische Armee über 150 Ziele an, darunter zwei Kommandozentralen der radikalislamischen Hamas.

Diese dementierte unterdessen eine Mitteilung des PLO-Funktionärs Jasser Abed Rabbo, wonach die militanten Palästinenser-Fraktionen in Gaza einer 72-stündigen Waffenruhe zugestimmt hätten.

Die Zahl der durch den Krieg vertriebenen Menschen in UN-Unterkünften im Gazastreifen ist unterdessen auf über 200 000 gestiegen. Die meisten kommen in Notunterkünften in Schulgebäuden unter.

Am Dienstag entdeckten UN-Mitarbeiter in einer von ihnen verwalteten Schule ein Waffenlager. Sie beschuldigten die Hamas, die Neutralität der Einrichtung verletzt zu haben.

In Israel wurden unterdessen Soldaten beigesetzt, die bei Kämpfen im Gazastreifen
ums Leben gekommen waren. Seit Beginn der Offensive wurden 48 israelische Soldaten getötet.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Montag gesagt, die Soldaten müssten sich auf eine lange Kampagne gefasst machen. Als Ziel der Militäroperation nannte er die vollständige Entwaffnung der Hamas und des Gazastreifens.

Diese Forderung trifft international zwar auf Verständnis und Sympathie – US-Präsident Barack Obama und Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier
äußerten sich ähnlich.

Beobachter meinen jedoch, dass eine Entmilitarisierung des Gazastreifens ohne eine Wiederbesetzung des Gebietes kaum möglich sein dürfte. Dies jedoch möchte Israel auf keinen Fall.

Eine Entwaffnung sei “ein lobenswertes Ziel, aber nicht sehr realistisch”, schrieb ein
Kommentator der “Times of Israel” am Dienstag. “Wie will man ohne Sturz der
Hamas ein hochgerüstetes Gebiet von Waffen befreien, ein Gebiet, das von einer rücksichtslosen, tief eingegrabenen und vom Iran unterstützten Terrororganisation beherrscht wird, deren Daseinsberechtigung der bewaffnete Kampf und die Zerstörung des jüdischen Staates ist?”

Forscher des Instituts für nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv schlugen vor, eine Entmilitarisierung mit einem Angebot zum zivilen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Gazastreifens zu verknüpfen.