Eilmeldung

Eilmeldung

Vertreibung von Christen in Mossul: Frankreich bietet Hilfe an

Sie lesen gerade:

Vertreibung von Christen in Mossul: Frankreich bietet Hilfe an

Schriftgrösse Aa Aa

50.000 Christinnen und Christen lebten vor der US-Militäroffensive in Mossul, zuletzt wohnten dort etwa 500 christliche Familien, vor etwas mehr als einer Woche erklärte der christliche Patriarch Kardinal Louis Sako: “Erstmals in der Geschichte des Iraks gibt es keine Christen in Mossul mehr”. Die islamistische Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hatte ihnen mit einem Ultimatum vom 19. Juli kaum eine Alternative gelassen. Entweder sie verlassen die Stadt, treten zum Islam über, zahlen eine Sondersteuer oder werden getötet, so die Drohung der sunnitischen Terrorgruppe. Die Christinnen und Christen flohen in andere christliche Orte oder die kurdischen Autonomiegebiete.

Über eine Woche nach dem Exodus hat sich die französische Regierung bereit erklärt, den Geflohenen zu helfen. “Falls sie es wünschen, sind wir bereit, ihnen bevorzugt auf unserem Boden Asyl zu gewähren”, so Außenminister Laurent Fabius und Innenminister Bernard Cazeneuve in einer gemeinsamen Mitteilung. Zuvor hatten Senatoren und Abgeordnete Präsident François Hollande in einem offenen Brief dazu aufgefordert, den Internationalen Strafgerichtshof in Bezug auf die Vertreibung von Minderheiten im Irak anzurufen.

Französische christliche Geistliche begrüßten den Vorstoß, gaben jedoch zu bedenken, dass es wichtig sei, die Situation der Christinnen und Christen im Irak zu verbessern. “Es ist besser zu gehen, als sich umbringen zu lassen, aber das Ziel ist, dass die Leute bleiben und weiter zusammenleben können”, so der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin. Fabius und Cazeneuve versprachen, die “internationale Gemeinschaft weiterhin zu mobilisieren, um den Schutz der Minderheiten im Irak zu sichern”. Zudem solle es humanitäre Hilfe geben. In Deutschland forderte Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer in der Saarbrücker Zeitung die Aufnahme verfolgter Christinnen und Christen aus dem Krisenland.

Auch auf Twitter und Facebook wird mobilisiert: Unter dem Hashtag #Nazarene zeigen Twitter-User Solidarität mit den Verfolgten. Andere User posten den arabischen Buchstaben für “N” als Profilbild. "Wir müssen der Welt zeigen, dass dies nicht der Islam ist", so eine Twitter-Userin.

Unterdessen geht IS im Irak nicht nur gegen andersgläubige Minderheiten vor, auch die eigentlich Verbündeten werden verfolgt: Wie das Nachrichtenportal Sumaria News berichtete, stellten die Dschihadisten in der Provinz Dijala fünf sunnitischen Gruppen, die eigentlich an ihrer Seite gegen die Regierung in Bagdad kämpften, ebenfalls ein Ultimatum. Demnach müssen die Kämpfer sich entweder unterordnen, die Region verlassen oder mit Bestrafung rechnen.