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Yukos-Zerschlagung: Späte Rechnung für Moskau

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Yukos-Zerschlagung: Späte Rechnung für Moskau

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Ein internationales Gericht in Den Haag hat Russland zur Zahlung von mehr als 50 Milliarden Dollar Schadenersatz an ehemalige Aktionäre des Energie- und Chemiekonzerns Yukos verurteilt.

Yukos sei vom Kreml “aus politischen Gründen” zerschlagen worden, so die Richter. Moskau hatte die Yukos-Führung am Anfang des neuen Jahrtausends kurzerhand abgesetzt und die Anteile des Unternehmens an den Staatskonzern Rostneft versteigert.

Geklagt hatte die GML Holding, die heute 60 Prozent der früheren Anteile bündelt. Deren Anwalt Emmanuel Gaillard sagte in London:
“Der russische Staatsapparat hat Yukos und seine Anteilseigner absichtlich angegriffen, um Yukos in Bankrott zu treiben und sich deswegen seines Vermögens bemächtigt. Gleichzeitig wurde Herr Chodorkowsky aus der politischen Arena entfernt. Das sind nicht meine Worte, sondern die des Gerichts.”

Das Urteil dürfte das rezessionsgefährdete Land schwer treffen, zumal wegen des Ukraine-Konflikts weitere Wirtschaftssanktionen der USA und Europas drohen. Das russische Finanzministerium kündigte an, das Urteil anzufechten.

Die russische Politikexpertin Veronika Krasheninnikova hält das Urteil für politisch motiviert: “Es ist eine Entscheidung ohne Beispiel. Möglicherweise ist auch diese Teil ökonomischer und politischer Sanktionen gegen Russland.”

Yukos wurde zur Zeit der Zerschlagung von Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski kontrolliert. Dieser gehört selbst aber nicht zu den Klägern, da er nach jahrelanger Haft und nach der Begnadigung durch Präsident Wladimir Putin den Kampf um sein früheres Vermögen in Russland offiziell aufgegeben hat.