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Argentinien: Pleite oder zahlungsunfähig?

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Argentinien: Pleite oder zahlungsunfähig?

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Argentinien hat im Rechtsstreit mit klagenden Hedgefonds in New York die fristgerechte Auszahlung von 1,33 Milliarden Dollar samt Zinsen verweigert. Zwölf Jahre nach dem ersten Zahlungsausfall ist das Land erneut in die Staatspleite geschlittert.

Seit Beginn des Jahrtausends hatten neun von zehn Gläubigern saftige Abstriche akzeptiert, um nicht ganz leer auszugehen.

Einige Resistente erstritten nun vor einem US-Gericht die volle Rückzahlung: vorrangig vor den anderen. Eine verfahrene Lage: In dem Fall würden nämlich die ausgehandelten Abstriche hinfällig. Mehrere hundert Milliarden Dollar an wiederbelebten Schulden – das wäre vermutlich eine neue Staatspleite.

Für Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicillof ist Zahlungsunfähigkeit nicht gleich Pleite:

“Argentinien bezahlt, es hat Geld. Es wird seinen Zahlungspflichten nachkommen – das ist gewollt und möglich. Wie kann da jemand sagen, dass ein Richter die Zahlungen ausgesetzt hat? Die Verantwortung liegt bei Richter Griesa. “

Das Gericht habe sich auf die Seite der Banken geschlagen.

Wie geht es weiter? Solange
Argentinien den Fonds NML Capital und Aurelius Forderungen über 1,5
Milliarden Dollar nicht bezahlt, darf es laut Richterspruch auch andere Anleihen nicht bedienen. Also wurden fällige 539 Millionen Dollar Zinsen zwar angewiesen, aber sofort auf Anordnung des New Yorker Richters auf dem Konto eines Treuhänders eingefroren. Auch eine erste Tranche an Gläubigerstaaten, darunter auch Deutschland, (Pariser Club) wurde überwiesen – 642 Millionen Dollar.

Im Mai hatte sich das Land mit dem Pariser Club geeinigt, seine Schulden in Höhe von etwa 9,7 Milliarden Dollar binnen fünf Jahren zu begleichen.

Die Bonitätswächter von Standard & Poor’s haben das Land trotzdem für pleite erklärt.

Die globale Finanzwelt dürfte dies – anders als 2002 – jedoch nicht erschüttern, zumal Argentinien nach zwei Schuldenschnitten praktisch schon vom internationalen Kapitalmarkt abgekoppelt ist.

Minister Kicillof versuchte die Argentinier zu beruhigen: “Morgen ist ein anderer Tag, die Welt geht weiter.”

su mit dpa