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Presseschau zum Gaza-Krieg: Kein Schutz für Zivilisten, prekäre Lage in Krankenhäusern und Interview mit dem Iron-Dome-Entwickler

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Presseschau zum Gaza-Krieg: Kein Schutz für Zivilisten, prekäre Lage in Krankenhäusern und Interview mit dem Iron-Dome-Entwickler

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Mehr als drei Wochen dauert die israelische Offensive im Gaza-Streifen nun schon an und die Opferzahlen steigen und steigen. Der Angriff auf eine UN-Schule am Mittwoch stieß auf besonders scharfe Kritik. Der Bericht von France deux zeigt, wie unmöglich es für Zivilisten im Gazastreifen geworden ist, Schutz zu finden:

An einem Kinderbild am Eingang der UN-Schule von Jabalia sind die Spuren des Krieges auch nicht zu übersehen. Am frühen Morgen haben Granateinschläge zwei Klassenzimmer dieses UN-Gebäudes aufgerissen. Für alle hier ein Schrecken und unverständlich. Mindestens 16 Tote, allesamt Zivilisten, die glaubten, eine Zuflucht gefunden zu haben. Eine betroffene Frau sagt: “Sicherheit gibt es nicht, weder in den Schulen noch in den Flüchtlingslagern, nirgends.”

Reporterin: “Wie in allen Klassenzimmern, schliefen auch hier Frauen und Kinder. Die Männer übernachteten außerhalb. Die Menschen hier waren nach der Explosion in diesem Zimmer eingesperrt.”

Es ist das zweite Mal innerhalb einer Woche, dass eine UN-Schule unter tödlichen Beschuss gerät. Israel hat eine Untersuchung eingeleitet, aber diesmal beschuldigen die Vereinten Nationen Israel direkt. Der UN-Hochkommissar machte sich vor Ort ein Bild. Er sagt: “Wenn es Zweifel gibt, schauen wir zuerst nach, veranlassen eine Untersuchung. Heute haben unsere Mitarbeiter auf dem Gelände Gegenstände gefunden, unter anderem Granatenteile, die nach meiner Überzeugung die deutliche und scharfe Verurteilung eines israelischen Beschuss’ zulassen.”

Gestern haben die Vereinten Nationen die Nutzung dieser Gebäude durch Hamas-Kämpfer angeprangert. Drei mal wurden Raketen in leeren Schulen außerhalb des Zentrums gefunden. Insgesamt gibt es 83 UN-Schulen in Gaza. Sie werden von lokalen Mitarbeitern geleitet, die jede Hamas-Unterstützung abstreiten. Einer der Mitarbeiter sagt: “Wir sind hier, um das Leben der Menschen zu schützen. Wir lassen keinen einzigen Bewaffneten in die Schule. Das würde das Leben der Flüchtlinge gefährden.”

Mehr als 200.000 Vertriebene versorgt die UNO hier. Die Organisation sieht sich überfordert und verlangt von der internationalen Gemeinschaft ein schnelles Eingreifen, damit der Konflikt schnell ein Ende findet.

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Auch das einzige Kraftwerk des Gazastreifens haben Granaten getroffen und in Brand gesetzt. Nun müssen Dieselgeneratoren die Bewohner des Gazastreifens mit Strom versorgen – ebenso die Krankenhäuser, die ohnehin vor großen Problemen stehen, wie der spanische Sender TVE berichtet:

Das ist der Blick vom Krankenhaus des Flüchtlinglagers von Jabalia im östlichen Gazastreifen. Die vergangenen 24 Stunden waren die blutigsten seit dem Beginn der israelischen Offensive. Die Einschläge gehen weiter – ohne Rücksicht auf die Helfer. Am Abend hat Israel eine vierstündige Feuerpause angekündigt, die aber nicht gehalten hat. Die Rettungswagen sind ununterbrochen im Einsatz. Manche verletzte werden mit privaten Autos gebracht. Ein Snitäter berichtet: “Wir versuchen jeden Ort zu erreichen, der getroffen wurde. Manchmal geraten wir selbst unter Beschuss. Auch wenn es eine humanitäre Feuerpause gibt, ist nicht gezug Zeit, um alle Opfer zu erreichen.”

In der dürftig ausgestatteten Notaufnahme hat sich der Geruch des Todes ausgebreitet. Auf diesen Leichensack schreiben die Ärzte “unbekannt”. Ein Arzt beschreibt die missliche Situation: “Wir haben zu wenig Betten, zu wenig Medikamente. Letzte Nacht kamen 382 Verletzte und 58 Tote an. Behandeln können wir gerade einmal 100 Menschen.”

Jeder dritte Verletzte ist ein Kind. Die israelische Armee hat eine weitere Schule der Vereinten Nationen angegriffen. In einem Klassenzimmer waren nur Frauen und Kinder. “Wir sind Zivilisten, wir haben den israelischen Streiftkräften nichts getan”, sagt ein verletzter Mann, bevor er weggetragen wird.

Reporterin: “Es ist der 23. Tag der israelischen Militätoffensive, die längste, die Israel in den letzten sechs Jahren im Gazastreifen durchgeführt hat. Und alles deutet daraufhin, dass es die mit den meisten Toten wird.”

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Ein Video der radikal-islamischen Hamas soll einen Angriff auf israelische Soldaten zeigen. Für die Israelis ein Beweis, dass die Tunnel der Hamas weiterhin eine Gefahr darstellen. Bei der Mission, diese zu zerstören, haben Journalisten des portugiesischen Senders RTP eine israelische Einheit begleitet:

Nach der schlimmsten Bombennacht seit Beginn des Krieges sind die israelischen Panzer vorgerückt. Die israelischen Soldaten haben von der Regierung den Auftrag erhalten, die militärische Infrastruktur der Hamas zu zerstören, komplett zu zerstören. “Bei den Einsätzen suchen wir das gesamte Gebiet ab, Tag und Nacht”, erklärt ein Soldat. “Wir suchen nach Gebäuden von potentiellen Terroristen, denn das hier ist Hamas-Gebiet. Wir haben bereits Raketenabschussrampen gefunden.”

Was die Soldaten suchen sind Tunnel, Waffenlager, Abschussrampen, Häuser und Verstecke: alles, das der islamistischen Bewegung dient. Nach dem Scheitern der Waffenruhe hat Israel seine Militäroffensive noch verstärkt.
Ein Treffen der Feldkommandeure mit dem Stabschef. Der Ort: der Hinterhof eines Hauses im Gaza-Streifen, aus dem Palästinenser aufgrund des israelischen Bombardements geflüchtet sind. Der Stabschef spricht vor seiner Einheit: “Das hier ist ein gemeinsamer Einsatz der See- und Landstreitkräfte – und bis jetzt sehr erfolgreich.”

Die Hamas feuert weiter Raketen auf Israel, aber sie ist geschwächt. Unterdessen wird Mann gegen Mann gekämpft.
Reporterin: “Nach drei Konfliktwochen wird die Militäroperation noch verstärkt. Der Hamas und Israel gelingt es nicht, sich auf eine Waffenruhe zu verständigen. Auch die internationale Diplomatie war bisher erfolglos.”

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In israelischen Orten wie Sderot, sorgen die Raketen der Hamas weiter für Angst. Doch Israel ist im Gegensatz zu den Palästinensern im Besitz eines Raketenabwehrsystems. Der italienische Sender Rai Uno hat den Mann dahinter getroffen:

Iron Dome, Eisenkuppel, ist der Anti-Raketen-Schild, der in diesen Tagen viele israelische Orte geschützt und damit Leben gerettet hat. Die Hamas hat von Gaza aus mindestens 2.000 Raketen abgefeuert. 90 Prozent davon wurden abgefangen. So gibt es es unter den isrealischen Zivilisten bisher “nur” drei Tote. Damit ist Iron Dome schon fast ein Science-Fiktion-System, das innerhalb von nur zwei Jahren entwickelt wurde.

Denny Gold, der Ingenieur, der es entwickelt hat, ist schon heute ein Nationalheld. Er erklärt: “Iron Dome ist ein kleines mobiles Arsenal, das mit einem Radar und Abfangraketen ausgerüstet ist. Das Radar erfasst das Signal einer eintreffenden Rakete in einer Entfernung von 40 Kilometern und verfolgt ihre Flugbahn. Steuert die Rakete aufs freie Feld zu, passiert nichts, fliegt sie in Richtung bewohntes Gebiet, wird eine Abwehrrakete gestartet, die in 15 Sekunden ihr Ziel erreicht.”

Polemische Äußerungen gab es über die Kosten: Jede Iron Dome-Rakete kostet etwa 70.000 Dollar. Dazu entgegnet Gold: “In diesem Krieg wurden etwa 500 Raketen abgefeuert, um Hamas-Raketen abzuschießen. Die Kosten belaufen sich auf 40 Millionen Dollar. Dafür haben wir Menschenleben gerettet und Schäden vermieden, die Milliarden Dollar gekostet hätten. Und die Wirtschaft des Landes hat es nicht beeinträchtigt.

Heute hat Israel neun Raktenabwehr-Batterien, bald sollen es 15 sein. Das Projekt wird zu einem Großteil von den USA finanziert. Und weil das System erfolgreich ist, haben bereits mehrere Länder Kaufinteresse angemeldet.