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"Trading Germans" - Doku über den Freikauf der Rumäniendeutschen


Kultur

"Trading Germans" - Doku über den Freikauf der Rumäniendeutschen

In Rumänien lebten nach dem Zweiten Weltkrieg rund 350 Tausend Angehörige der deutschen Sprachminderheit, sogenannte Rumäniendeutsche, deren Vorfahren sich dort vor über 800 Jahren angesiedelt hatten. Doch während des Kalten Krieges sollte der Großteil dieser Menschen das Land verlassen. 250 Tausend deutschstämmige Rumänen wurden nach Deutschland verkauft hat. Ein geheimes deutsch-rumänisches Regierungsabkommen machte dies möglich. Über den größten Menschenhandel in der Geschichte Europas erzählt der in Rumänien produzierte der Dokumentarfilm “Trading Germans” von Razvan Georgescu.

Um Devisen ins Land zu holen, ließ das bankrotte Ceausescu-Regime ab Ende der 60er Jahre Deutschstämmige von der Bundesrepublik freikaufen. Der Geheimdienst Securitate leitete die Operationen, die Öffentlichkeit erfuhr nichts davon.

Der Produzent des Films Alexandru Solomon, erzählt, wie der geheime Handel aufflog.

Alexandru Solomon: “Vor ein paar Jahren gab es eine große Veröffentlichung von Historikern, Forschern, die dem Ausschuss angehörten, der sich mit den Securitate Archiven beschäftigte. Sie veröffentlichten in einem tausend Seiten starken Band die rumänischen Akten über diese geheimen Verhandlungen.”

Die “Geheimsache Kanal”, wie sie in Bonn genannt wurde, kostete die Bundesrepublik Milliardenbeträge.
Heinz-Günther Hüsch war Verhandlungsführer auf deutscher Seite und reiste zu unzähligen geheimen Treffen mit dem Geldkoffer nach Bukarest.

Alexandru Solomon: “Die Öffnung der Archive ist auch ein schmerzhafter Prozess, der wie ich denke, nicht nur die politische Ebene berührt, sondern das Leben der Menschen, um die es in den Akten geht. Man kann sagen, das ist nun Geschichte, oder meinetwegen jüngste Geschichte. Aber im Grunde ist es die Gegenwart, denn wir leben damit.”

Als das Geschäft florierte, verdoppelte Bukarest das Kopfgeld. Auch die Ausreisekandidaten wurden zur Kasse gebeten.

Alexandru Solomon: “Was diese Geschichte heute, 2014 in Europa universell macht, ist die Auseinandersetzung mit der Identität. Sie sind Deutscher, Sie sind Rumäne, geleichzeitig hat Ihre Familie jahrhundertlang in Siebenbürgen gelebt. Wo gehören Sie hin? Und was geschieht, wenn Sie eines Tages aufgrund des historischen Kontexts, des historischen Unrechts, gehen müssen?”

Auch die Ankunft in der Bundesrepublik war nicht einfach bei aller Freude über die Ausreise. Für viele war es ein fremdes Land, in das sie sich integrieren mussten.

Alexandru Solomon: “Ich glaube, es gibt in ganz Europa Volksgruppen, die mit dieser Geschichte in Zusammenhang stehen, mit den Massenmigrationen, die Europa erlebt hat.”

Die Doku wird auf mehreren internationalen Festivals laufen und Ende des Jahres bei HBO Europe.

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