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Banco Espirito Santo - Stresstest für Europas Bankenunion

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Banco Espirito Santo - Stresstest für Europas Bankenunion

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Die Richtung Pleite taumelnde portugiesische Großbank BES (Banco Espírito Santo) wird als “Novo Banco” (“Neue Bank”), vom nationalen Bankenabwicklungsfonds übernommen und bekommt eine Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro. Faule Geschäfte bleiben als “Bad Bank” bei den Aktionären und den Gläubigern nachrangiger Anleihen von Espirito Santo.

Zentralbank-Chef Carlos Costa verkündete den Rettungsplan. Die Finanzspritze werde weder den Staat noch die Einlagenbesitzer in Mitleidenschaft ziehen, versicherte er.

“Auszuschließen, dass die Steuerzahler in Zukunft erneut zur Kasse gebeten werden, wenn Banken Fehler begehen” – das bezweckt die EU-Kommission mit der Bankenunion.

Zentralbank-Chef Carlos Costa:

“Das Risiko der Zahlungsunfähigkeit und der Unfähigkeit, Verpflichtungen zu erfüllen, ergab ein sehr hohes Ansteckungrisiko und stellte die Stabilität des nationalen Finanzsystems in Frage. Die Bank von Portugal beschloss eine Lösung, die Einrichtung einer neuen Bank inbegriffen.”

Das Geld für die Finanzspritze für die BES soll von dem 2012 gegründeten und von Banken finanzierten nationalen Abwicklungsfonds bereitgestellt werden. 4,4 Milliarden Euro werden aus dem EU-Hilfspaket zwischenfinanziert, das Portugal in der Krise von der Europäischen Union, dem Internationalen Währungsfonds IWF und der Europäischen Zentralbank (EZB) bekommen hatte.

Patricia Cardoso, euronews:

“Auf der Straße gibt es keine Panik, die Menschen gehen wie immer zur Bank, um sich zu erkundigen. Das Geld, das die Regierung verteilt, ist Teil eines Polsters zur Krisenbewältigung. Die Summe entspricht 2,6% des portugiesischen BIP – und wird ein Defizit auslösen, wenn sie nicht bis zum Ende des Jahres zurückgezahlt wird.”

Die Bank hatte 3,57 Milliarden Euro Verlust für das erste Halbjahr 2014 ausgewiesen. Ihr Niedergang wird von Fachleuten nicht nur als Ergebnis von Fahrlässigkeit, sondern auch von krimineller Energie beschrieben.

Erst vor wenigen Monaten hatte Portugal nach drei Jahren ein 78-Milliarden-Euro-Rettungsprogramm der Troika hinter sich gelassen.

su mit dpa