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Der kurdische Herausforderer


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Der kurdische Herausforderer

Er ist scharfzüngig, politisch links, und er ist Kurde. Selahattin Demirtas will eine Alternative sein. Den scheinbar allmächtigen Recep Tayyip Erdogan attackiert er mit deutlichen Worten. Demirtas’ Ziel ist eine neue Türkei.

“Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir beginnen können, ein neues Leben aufzubauen. Mit meiner Kandidatur biete ich Ihnen nicht nur einen neuen Präsidenten, sondern auch ein neues Leben in der Türkei”, sagt Demirtas.

Demirtas ist Mitvorsitzender der “Demokratischen Partei der Völker”, kurz HDP – eine Partei, die viele, aber nicht nur Kurden zu ihren Wählern zählt.

Geboren wurde er 1973 im Osten der Türkei als zweites von sieben Kindern.

In die Politik zu gehen, sah er als seine Pflicht an, sagte er unserem Korrespondenten Bora Bayraktar.

“Seit meiner Jugend war ich an Politik und dem demokratischen Kampf interessiert. Wie viele andere kurdische Jugendliche habe ich früh angefangen, mich politisch zu engagieren, um mich für die Rechte der Kurden, für ethnische Identität und gegen Unterdrückung einzusetzen. Ich bin seit fast 25 Jahren politisch aktiv. In den vergangenen acht Jahren war ich Abgeordneter und Mitvorsitzender der Partei. Ich habe als Menschenrechtsanwalt gearbeitet. In dieser Zeit, in jedem Moment habe ich für die Prinzipien gekämpft, an die ich glaube. Die Präsidentschaftskandidatur war die Fortsetzung: Als ein Kandidat, der mit dem türkischen Kampf für Demokratie aufgewachsen ist”, so Demirtas.

Seine politische Laufbahn begann in Diyarbakir. Demirtas setzt sich eigenen Angaben nach für alle Volksgruppen und für alle Religionen in der Türkei ein.

Kurdisch spricht er nur wenig. Er wirft der Politik vor, die Kurden über Jahrzehnte ausgegrenzt und zwangsassimiliert zu haben. Unter Regierungschef Erdogan wurden – vielleicht auch aus politischem Kalkül – Zugeständnisse gemacht, doch vollkommen anerkannt und gleichberechtigt sind die Kurden in der Türkei nach wie vor nicht. Demirtas ist für viele deshalb ein Hoffnungsträger.

“Er trifft kluge politische Entscheidungen”, findet ein Mann. “Offen gesagt bringt er die Menschen zusammen. Aber ich glaube, dass er nicht mehr als zehn Prozent der Stimmen erhält. Seine Wählerschaft ist vor allem im Südosten angesiedelt. Aber für die Kurden ist es toll, einen Kandidaten wie ihn zu haben.”

Die Gegner von Selahattin Demirtas werfen ihm vor, eine ethnisch gesteuerte Politik zu betreiben und auf einen Kuhhandel mit Erdogan aus zu sein, um die Stellung der Kurden zu verbessern. Demirtas weist das scharf zurück.

“Erdogan hat die Türkei mehr als zehn Jahre lang regiert. Er hat eine Politik betrieben, die seine Macht erweitert hat, die autokratisch und nicht demokratisch ist. In seinen Reden lässt er erkennen, dass er diese Linie als Präsident noch verstärken würde. Wir glauben, dass die Wahlprogramme der anderen Kandidaten von gestern sind. Die Türkei muss in eine andere Richtung gehen, die auch den Armen und den Arbeitern zugutekommt. Eine Richtung, die der pluralistischen Gesellschaft der Türkei entspricht”, erläutert Demirtas.

Politischen Rat – andere nennen es Anweisungen – holt sich Demirtas auch von Abdullah Öcalan. Der Anführer der kurdischen Untergrundorganisation PKK sitzt eine lebenslange Haftstrafe ab. Er war unter anderem wegen Hochverrat verurteilt worden.

Demirtas sagt: “Meine Kandidatur ist auch ein Aufruf, den Inhalt der Verhandlungen mit der PKK zu erweitern. Mit mir als Präsident wird sich die Möglichkeit, dass diese Verhandlungen zu einem ständigen Frieden führen, erhöhen. Die Türkei wird Sorgen, die mit dem Friedensprozess zusammenhängen, ausräumen und es wird in der Bevölkerung ein größeres Verständnis für die Gespräche geben.”

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