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Erdogan will Wirtschaft wieder ankurbeln

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Erdogan will Wirtschaft wieder ankurbeln

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Bei der Präsidentschaftswahl in der Türkei will Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erneut mit der Wirtschaftsleistung des Landes auftrumpfen. In den elfeinhalb Jahren seiner Regierungszeit hat es einen großen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt – der seit etwa einem Jahr jedoch schwächelt.

Einer der Gründe ist ein weitgehender Korruptionsskandal, der in den vergangenen Monaten zu Massenprotesten auf den Straßen führte. Wie viele weitere Staaten sieht sich die Türkei aber auch mit launischen Märkten, flatterhaften Währungskursen und einem unsicheren Wirtschaftsausblick konfrontiert.

Euronews-Korrespondent Bora Bayraktar: “Die Achillesferse der türkischen Wirtschaft ist das Leistungsbilanzdefizit. Die Gesamthöhe der Kreditschulden von Einzelpersonen liegt bei 343 Milliarden Türkischen Lira, umgerechnet 119 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr haben fast 645.000 Menschen ihre Schulden nicht abgezahlt.”

Das BIP stieg im ersten Quartal um 4,3% im Jahresvergleich. Damit übertraf die Türkei die Prognosen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank und überholte die EU-Staaten.

Trotzdem gibt es Schwachstellen, wie die große Abhängigkeit von ausländischen Investititonen. Ein strukturelles Ungleichgewicht, begünstigt durch die Geldströme aus dem Ausland, die auf die ultralockere Geldpolitik zurückzuführen sind.

Der Wirtscahftsjournalist Uğur Gürses meint, “die US-Zentralbank will die Zinsen anheben. Das werden wir in den nächsten anderthalb Jahren beobachten können. Und das wird auch zu steigenden Zinsen in der Türkei führen. Weniger Geldmittel kommen in die Türkei, mit früheren Investitionen ist es nun vorbei. In diesem politischen Umfeld wollen Politiker das Wachstum ankurbeln. Aber das nötige Geld fehlt.”

Türkischen Behörden zufolge sind die Bedenken übertrieben. Um das große Wachstum beizubehalten, das der AKP hohe Beliebtheitswerte beschert, will die Regierung die Zinsen drücken. Eine Strategie, mit der Erdogan den Chef der Notenbank gegen sich aufbringt. Gerüchten zufolge könnte Erdem Basci noch vor Ende seiner fünfjährigen Amtszeit 2016 zurücktreten.

Dr. Cemil Ertem von der Türk Hava Kurumu Universität erklärt, “wenn Erdogan Präsident wird, will er die Wirtschaftspolitik radikal umkrempeln. Die Säulen der Wirtschaft werden sich auf Produktion, Industrie und Exporte stützen. Die Zinsen müssen dementsprechend nach unten gehen, dann wird die Arbeitslosenquote nach unten gehen. Die Inflation wird steigen. Und die Türkei wird somit der Vollbeschäftigung näher kommen.”

Nach Willen Erdogans soll die türkische Wirtschaft bis 2013 zu den zehn leistungsstärksten zählen. Aber Institutionen wie die Notenbank, die in der türkischen Erfolgsgeschichte in den vergangenen Jahren eine Hauptrolle spielten, scheinen nun einen anderen Weg einzuschlagen – unabhängig vom Kurs der Regierung.

Gürses fordert, “es bedarf stabiler Investitionen wie in China, aber die gehen gegen Null. Solange es keine politische Stabilität gibt, Gesetze nicht angewendet werden, so lange wird es keine Investitionen geben. Das ist ein negativer Faktor. Wir müssen verstehen, dass die Ein-Parteien-Regierung politisch nicht stabil ist, Stabilität schaffen nur eine Teilung der Macht und entsprechende Gesetze. Alles braucht seine Zeit, aber es wird sich für unsere Wirtschaft auszahlen.”

In der Vergangenheit hat Erdogan seinen Kritikern oft den Wind aus den Segeln genommen. Doch wer die Türkei in den nächsten Jahren regieren wird und sie politisch und wirtschaftlich nach vorne bringen will, muss mit starkem Gegenwind rechnen.