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Gefahr von Ebola-Export nach Europa gering

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Gefahr von Ebola-Export nach Europa gering

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Es ist der schlimmste Ebola-Ausbruch in der 40-jährigen Geschichte der Seuche. Wie die Weltgesundheitsorganisation mitteilte, sind inzwischen fast 900 Menschen gestorben, mehr als 1600 wurden in Guinea, Liberia und Sierra Leone infiziert. Diese Länder haben nun drastische Maßnahmen angekündigt, um die Krankheit zu bekämpfen. Schulen werden geschlossen, Infizierte in Quarantäne gehalten. Doch die Gesundheitsbehörden haben oft nicht die notwendigen Mittel und oft spielt die örtliche Bevölkerung auch nicht mit.

Sylvain Baize vom Institut Pasteur in Lyon sagt: “Wenn die Bevölkerung es akzeptiert, bei einer Erkrankung ins Krankenhaus zu gehen, wenn sie es akzeptieren, dass man Patienten zu Hause aufsucht und sie in ein Krankenhaus bringt, um sie dort zu behandeln, dann wird die Epidemie sehr schnell gestoppt sein. Das Problem sind die Leute, die diese Maßnahmen nicht akzeptieren und die sich verstecken, wo die Angehörigen die Kranken aus den Krankenhäusern holen und zu sich nach Hause bringen. Das hat zur Verbreitung des Virus beigetragen.”

Guinea, wo die Krankheit ausbrach, hat seit Jahresbeginn einen hohen Preis gezahlt. Doch scheint sich die Lage in mehreren Regionen zu stabilisieren. Seit Juni gelten nun Libera und Sierra Leone als Epizentren der Epidemie. Ein Export der Krankheit nach Europa ist theoretisch möglich, doch das Risiko gilt als gering, vor allem dank der Kontrollen an den hiesigen Flughäfen.

Sylvain Baize: “Der Ebola-Virus hat absolut nicht das Potential für eine Pandemie, es sind immer Einzelne, die andere anstecken. Daher ist das Risiko einer Übertragung in weit von der Krankheitszone entfernte Länder sehr begrenzt. Es könnte zu einzelnen Fällen kommen, etwa in Frankreich, aber es wurde alles getan, um eine sekundäre Übertragung der Viren nach Europa zu verhindern. Ich mache mir dagegen viel mehr Sorgen um die Nachbarstaaten der betroffenen Länder. Dort könnte über die Landgrenzen eine Übertragung der Epidemie auf die anderen Länder stattfinden.”

Derzeit gibt es keine Behandlung und keinen Impfstoff gegen Ebola. Allerdings werden zahlreiche Verfahren getestet. So wird etwa ein Antikörper-Cocktail namens ZMapp an zwei amerikanischen Patienten ausprobiert, die sich in Afrika infiziert hatten und in die USA ausgeflogen wurden.

Baize: “Diese Behandlung basiert auf einer Mischung aus monoklonalen Antikörpern, also Antikörpern, die hergestellt werden und die in der Lage sind, den Virus zu neutralisieren, also daran zu hindern, in die Zellen einzudringen und so immer neue Zellen zu befallen. Diese Behandlung ist noch im Versuchsstadium. Sie wurde bisher nur an Primaten getestet und bei ihnen hat sie gewirkt, aber nur, wenn sie sehr bald nach der Infizierung verabreicht wurde. Daher muss man hier noch abwarten, die beiden Amerikaner, die so behandelt werden – sie sind selbst Ärzte -, haben die Antikörper sehr spät nach der Infizierung bekommen und nicht unbedingt in dem Moment, wo diese Medizin noch wirken kann.”

Dieses Versuchsserum hat in den vom Virus befallenen Ländern viel Hoffnung geweckt. Aber die Forscher bleiben vorsichtig.

Baize: “Man versteht, warum die beiden Amerikaner die Behandlung bei sich zugelassen haben, sie haben ihre Zustimmung zweifellos sehr bewusst gegeben. Andererseits scheint es mir angesichts der sehr vorläufigen Ergebnisse all dieser Studien aber schwierig zu sein zu versuchen, diese Behandlungsmethode an der derzeit betroffenen Bevölkerung anzuwenden.”