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Der Kampf um die Esstische - Russland bannt Agrarimporte aus dem Westen

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Der Kampf um die Esstische - Russland bannt Agrarimporte aus dem Westen

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An der Börse in Oslo fielen die Aktien von Lachszuchtfirmen, griechische Erdbeer-Bauern fordern Entschädigung von der EU, auch deutsche Unternehmen und Landwirte rechnen nach dem russischen Einfuhrverbot für Lebensmittel aus dem Westen mit Einbußen. In Brasilien reiben sich die Geflügelzüchter die Hände, in Chile Fleisch- und Milchproduzenten.

Die russischen Verbraucher dürfte es vor allem in großen Städten wie Moskau treffen – hier füllen importierte Lebensmittel schätzungsweise bis zu 70 Prozent der Supermärkte. Strenge Kontrollen sollen verhindern, dass die Preise (Inflation im Juni 7,8 Prozent) weiter explodieren.

Irina Kashkadova, Konsumentin:

“Ich glaube nicht, dass wir auf irgendwas verzichten müssen. Wir werden unsere Landwirtschaft aufbauen und neue Handelsbeziehungen mit anderen Ländern.”

Nicht so einfach, warnt der deutsche Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Eine autarke Lebensmittelversorgung schaffe man nicht “mit einem Fingerschnippen”.

Russland kaufte im vergangenen Jahr 43 Prozent seiner Lebensmittel im Ausland, davon trifft der Bann etwa ein Viertel. Die Hälfte des Käses auf russischen Esstischen, ein Viertel des Rind- und Schweinefleisches kommt über die Grenzen. Und fast zwei Drittel des Gemüses – der größte Posten aus der EU.

Das Land ist mit Abstand der größte Verbraucher von EU-Obst und Gemüse, zweitgrößter Abnehmer von US-Geflügel-und einer der größten Importeure von Fisch, Fleisch und Milchprodukten weltweit.

Nach Angaben aus Brüssel lieferte die EU in den vergangenen drei Jahren im Schnitt für elf Milliarden Euro pro Jahr Agrarprodukte nach Russland – das seien weniger als zehn Prozent der EU-Exporte in diesem Bereich.

Der für ein Jahr verhängte Importstopp für bestimmte Lebensmittel gilt nach Angaben des russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew für Waren aus den USA und der EU, aus Norwegen, Australien und Kanada.

Schweizer, Japaner und Neuseeländer spitzten die Ohren: Sie trifft es offenbar nicht, sondern….

Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt DZ Bank:

“….hauptsächlich Südeuropa, besonders Spanien und Griechenland. Polen kann es treffen, dann einige kleinere osteuropäische Länder und eventuell auch die USA mit ihren Fleischexporten. Aber insgesamt denke ich, dass die Auswirkungen nicht sehr groß sein werden.”

Zudem erwägt die Regierung in Moskau ein Überflugverbot für Fluggesellschaften aus den USA und der EU auf dem Weg nach Asien.

Transitflüge ukrainischer Fluggesellschaften über russisches Hoheitsgebiet sind bereits untersagt.

Vertreter der deutschen Wirtschaft haben Russland und die EU aufgefordert, wieder miteinander zu reden. “In der jetzigen Situation ist es immens wichtig, die Spirale von Sanktionen und Gegensanktionen zu
durchbrechen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren”, so der Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Eckhard Cordes. Der Ausschuss vertritt rund 6.000 in Russland aktive deutsche Firmen.

su mit dpa, Reuters