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Russischer Lebensmittel-Boykott: Auswirkungen für den Westen noch unklar

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Russischer Lebensmittel-Boykott: Auswirkungen für den Westen noch unklar

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Nach dem russischen Einfuhrverbot für Lebensmittel aus dem Westen stockt nicht nur an der finnisch-russischen Grenze der Warenverkehr. Von den Sanktionen, die Moskau als Reaktion auf die Strafmaßnahmen von EU und USA in der Ukraine-Krise verhängte, sind auch deutsche Exporteure betroffen.
Nach Einschätzung des deutschen Landwirtschaftsministers Christian Schmidt werden sich die Auswirkungen für den deutschen Markt allerdings in Grenzen halten:

“Sie treffen ihn. Sie treffen ihn aber nicht so hart, wie es wahrgenommen wird. Wieso? Weil schon im letzten halben oder dreiviertel Jahr die russische Föderation ein sehr wechselhafter Kunde gewesen ist und leider die Exportzahlen im Milch- und Fleischbereich dramatisch nach unten gegangen sind.”

Das ganze Ausmaß der wirtschaftlichen Einbußen bleibt vorerst unklar. Der russische Boykott westlicher Lebensmittel wurde vorerst für ein Jahr verhängt.

“Die Leute werden bald weniger Geld für Lebensmittel ausgeben müssen”, meint dieser Markthändler in Athen. “Treffen wird es in erster Linie die Produzenten, die weniger einnehmen. Die Leute in den Städten werden aber von billigeren Früchten profitieren.”

Russland kaufte im vergangenen Jahr 43 Prozent seiner Lebensmittel im Ausland.

Die Hälfte des Käses auf russischen Esstischen, ein Viertel des Rind- und Schweinefleisches kommt über die Grenzen. Und fast zwei Drittel des Gemüses – der größte Posten aus der EU.

Eine Moskauer Bürgerin empfindet den Boykott als richtig. “Die russischen Produzenten könnten endlich anfangen, die Vertriebswege ihrer Lebensmittel zu verbessern. Dann würden Russen auch wieder einheimische Produkte kaufen.”

Der Kreml sagte der russischen Landwirtschaft bereits gut eine Milliarde Euro Subventionen zu.
Nach Einschätzung von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt ist Russland jedoch auf Lebensmittelimporte aus der EU
angewiesen. Eine autarke Lebensmittelversorgung schaffe man laut Schmidt nicht “mit einem Fingerschnippen”.