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Jesiden auf der Flucht - die Zeit drängt

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Jesiden auf der Flucht - die Zeit drängt

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Unter unmenschlichen Bedingungen, bedroht von Hunger, Durst und islamischen Milizen hoffen viele Jesiden in den Bergen bei Sindschar auf einen glimpflichen Ausgang ihrer Flucht.

Sunnitische Kämpfer der Organisation Islamischer Staat hatten ihre Heimat am 4. August überfallen. Seitdem, so schätzen die Vereinten Nationen, sind neben vielen Christen, auch rund 200.000 Jesiden auf der Flucht. Viele von ihnen stecken noch immer in den Gebirgszügen der Region fest.

Für ihre Familien eine unerträgliche Situation. Vian Dakhil, eine jesidische Abgeordnete, bricht nach einem ergreifenden Appell im irakischen Parlament in Bagdad zusammen:

“Meine Brüder, vergessen wir die politischen Querelen, wir wollen humanitäre Solidarität. Ich spreche zu Euch im Namen der Menschlichkeit. Rettet uns! Wir werden abgeschlachtet, wir werden ausgelöscht. Unsere Religion ist dabei, von der Erdoberfläche getilgt zu werden. Ich flehe Euch an, im Namen der Menschlichkeit, rettet uns.”

Zwischen 15.000 und 30.000 Jesiden soll die Flucht aus dem Gebirge bereits gelungen sein. Sie flüchteten zunächst in Richtung Syrien und gelangten anschließend in den kurdischen Teil des Iraks. Nur wenige schafften es über die türkische Grenze.

Wer sind die Jesiden? Ihre Wurzeln liegen im alten Iran. Heute leben Gemeinden in Russland, Georgien, Armenien, Deutschland, Kanada und in den USA. Im Irak sind es heute ca. 750.000.

Angehörige der Religion glauben an einen irdischen Gott, der die Erde mit Hilfe von sieben Pfauen-Engeln regiert. Einer dieser Engel, so glauben etwa die Kämpfern der Organisation Islamischer Staat, soll der Teufel höchstpersönlich sein.

Unterschiedliche religiöse Deutungen sind es also, die Jesiden – trotz ihrer Anerkennung durch die neue irakische Verfassung – immer wieder das Leben kosten, wie hier bei Bombenanschlägen im Jahr 2007.

Verfolgt werden sie seit dem 13. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert wurden mehrere Massaker an Angehörigen der Religion verübt. Heute steht gar die Existenz der Jesiden als Ethnie und als Religion auf dem Spiel. Die Zeit drängt. Denn bisher ist die geleistete Hilfe, der Abwurf von US-Hilfsgütern über dem Gebirge, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.