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70 Jahre nach Nazi-Massaker: Italien hofft auf Gerechtigkeit

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70 Jahre nach Nazi-Massaker: Italien hofft auf Gerechtigkeit

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Am 70. Jahrestag des Nazi-Massakers im italienischen Dorf Sant’Anna di Stazzema steigt in Italien die Hoffnung auf die juristische Verfolgung eines mutmaßlichen Täters. In der vergangenen Woche hatte das Oberlandesgericht in Karlsruhe entschieden, dass gegen einen ehemaligen Kompanieführer nun doch Anklage erhoben werden kann. Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano sagte am Jahrestag, es sei Zeit, die juristische Suche nach der Verantwortung wiederaufzunehmen. Er hoffe auf mehr Kooperationsbereitschaft der deutschen Justiz.

Ein Militärgericht in Italien hatte den 93-Jährigen und neun weitere Angeklagte bereits 2005 in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Eine Verurteilung im Ausland reiche nach deutschem Strafrecht jedoch nicht für eine Auslieferung, so Andreas Brendel, Leiter der Zentralstelle für die Bearbeitung von NS-Massenverbrechen laut der "Deutschen Welle". Auch in Deutschland wurden Ermittlungen aufgenommen, diese stellte die Staatsanwaltschaft in Stuttgart mit der Begründung, dass Nachweise fehlten, wieder ein.

Die Waffen-SS hatte am 12. August 1944 in dem toskanischen Dorf 560 Menschen, darunter mehr als 100 Kinder, ermordet. Der in Italien verurteilte ehemalige Kompanieführer Gerhard Sommer wohnt in Hamburg. Neben ihm sind nur zwei weitere der Verurteilten noch am Leben.

Der italienische Präsident Giorgio Napolitano, hier bei einer Gedenkfeier mit dem deutschen Bundespräsidenten im vergangenen Jahr, sagte, er hoffe auf mehr Kooperationsbereitschaft der deutschen Justiz.