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Hoffnungen des Westens ruhen auf Peschmerga

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Hoffnungen des Westens ruhen auf Peschmerga

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Die Kämpfer der Organisation Islamischer Staat rücken im Irak immer weiter in den Norden des Landes vor. Einhalt gebieten ihnen einzig die Perschmerga, die irakisch-kurdischen Kämpfer. Denn auf die irakische Armee ist längst kein Verlass mehr.

Den Kurden steht die Gefährlichkeit der dschihadistischen Gotteskrieger klar vor Augen. “Diese Terroristen sind nicht nur eine Gefahr für die Kurden, nein, für die ganze Welt. Sollten es ihnen gelingen, Kurdistan zu besetzen, werden sie auch nach anderen Gebieten greifen”, so einer der kurdischen Kämpfer.

Seit Wochen verlangen die Kurden nach militärischer Hilfe aus dem Westen. Die USA und Frankreich haben sich nun entschlossen, moderne Waffen in den Nordirak zu schicken. “So eine Kalaschnikow kann gegen die Bewaffnung der Dschihadisten nichts ausrichten”, erklärt ein anderer Kurde.“Wir brauchen schwere Waffen, Mörser und Ausrüstung für Luftschläge. Sonst schaffen wir das nicht.”

Die Peschmerga erscheinen dem Westen sie als einzig glaubhafte militärische Größe in der Region – eine Situation, die den Kurden ungeahnte Macht verschaffen könnte. Ein Erstarken der Autonomen Provinz Kurdistan, gar die Geburt eines souveränen kurdischen Staates, könnte den Irak weiter zersplittern und so das Land auf lange Zeit destabilisieren. Euronews hat darüber mit dem kurdischen Außenminister des Iraks gesprochen.

euronews: Aus Arbil ist uns nun der scheidende irakische Außenminister und Mitglied der Kurdischen Demokratischen Partei, Hoshyar Zebari zugeschaltet. Können Sie uns etwas zur Situation vor Ort sagen?

Hoshyar Zebari: “Die Gefechte zwischen den Peschmerga-Kämpfern und der IS-Miliz gehen weiter. Aber nach den US-Luftschlägen gegen Stützpunkte der Miliz beginnt sich, die Lage etwas zu ändern. Damit meine ich, dass sich das Kräfteverhältnis zugunsten der Peschmerga verschoben hat. Sie haben mit einem Gegenangriff begonnen und werden in den nächsten Tagen versuchen, die Miliz aus den Territorien zu vertreiben.
Aber die humanitäre Lage ist sehr schwierig und bleibt kritisch, besonders für die Jesiden, die im Sindschar-Gebirge festsitzen und das trotz aller Bemühungen, sie da herauszuholen und an einen sicheren Ort zu bringen. Einige EU-Länder haben bereits reagiert. Frankreich und Großbritannien haben eine klare Position bezogen und unterstützen die Peschmerga-Kämpfer mit Ausrüstung für ihren Einsatz gegen die dschihadistische Miliz.”

euronews: Es gibt einen Widerspruch zwischen einem Bericht der Vereinten Nationen, nach dem die Jesiden evakuiert werden müssen, Washington sieht jedoch keinen Handlungsbedarf. Was ist Ihre Meinung dazu?

Hoshyar Zebari: “Eine US-Sondereinsatzgruppe ist ins Sindschar-Gebirge geflogen, um die Lage einzuschätzen und zu entscheiden, ob eine Evakuierung durchgeführt werden sollte. Diese Bewertung ergab, dass sich die Lage etwas entspannt hatte und dass eine groß angelegte Operation mit Hubschraubern nicht nötig sei. Die humanitären Korridore der Peschmerga können aufrechterhalten werden.”

euronews: Wie geht die Autonome Region Kurdistan mit der Flüchtlingsproblematik aus dem Irak, aber auch Syrien um?

Hoshyar Zebari: “Es ist die größte Herausforderung für die Behörden. Wir befinden uns in einer tiefen Krise, damit wir für unsere Bürger und die Flüchtlinge sorgen können.
Deshalb haben wir den französischen Präsidenten und die britische Regierung um Hilfe gebeten. Wir haben auch die EU gefragt, ob sie eine europäische Luftbrücke einrichten kann, um humanitäre Hilfe zu den Flüchtlingen zu transportieren.
In Kurdistan halten sich derzeit 1,2 Millionen Flüchtlinge auf, darunter 250.000 Syrer. Wir haben Hunderttausende Iraker, die aus den südlichen Provinzen bei uns Unterschlupf gesucht haben. Und von der IS-Miliz bedrohte Minderheiten, wie die Jesiden, Christen und Turkmenen. Internationale Hilfe ist dringend nötig. Sie ist auch besser organisiert und wirksamer.”