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Ja oder nein - Schotten zwischen Angst und Freiheitsdrang

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Ja oder nein - Schotten zwischen Angst und Freiheitsdrang

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Mitte September entscheiden die Schotten über ihre Unabhängigkeit von Großbritannien. Umfragen zufolge liegen die Unabhängigkeitsbefürworter bei derzeit bis zu 45 Prozent. Die Gegner haben demnach einen Vorsprung mit bis zu 57 Prozent. Unter den Wählern wächst offenbar die Angst vor einer Abspaltung – welche Folgen hätte das für die schottische Wirtschaft?

Bei einem TV-Duell kam der schottische Ministerpräsident und Chef der Scottish National Party schlecht weg. Alex Salmond, der für die Abspaltung wirbt, konnte nicht überzeugen, zur Befriedigung seines Kontrahenden: Ailistair Darling, er steht der Better-Together-Kampagne vor, die sich gegen die Unabhängigkeit ausspricht.

Sollte es doch zu einer schottischen Eigenständigkeit kommen, London aber das britische Pfund nicht teilen wollen, müssten sich die Schotten eine eigene Währung zulegen. Auch dafür konnte Alex Salmond beim Fernsehduell keinen Plan vorlegen – vielleicht gelingt ihm das beim nächsten Schlagabtausch Ende August.

Die Zukunft des Wohlfahrtsstaats ist ungewiss in Großbritannien. Auch das ist ein Thema. Die Befürworter der Unabhängigkeit wollen eine kostenlose Gesundheitsversorgung für alle Schotten. Auch die Angst vor einer zunehmenden Privatisierung der ärztlichen Versorgung soll also zum Stimmenfang pro Unabhängigkeit beitragen. Die Gegner der Abspaltung kritisieren dieses angeblich unhaltbare Versprechen.

Das Ergebnis der Abstimmung könnte wesentlich von den schottischen Jugendlichen beeinflusst werden. Erstmals dürfen im September auch Sechzehn- und Siebzehnjährige ihre Stimme abgeben. Einer Untersuchung der Universität von Edinburgh zufolge sind 52 Prozent der Teenager gegen die Unabhängigkeit.

Eine historische Wahl steht bevor, weiß auch Rory Stewart, britischer Abgeordneter: “Die Wenigsten scheinen zu begreifen, dass es die schwerwiegendste politische Entscheidung seit dem Zweiten Weltkrieg ist, vielleicht die einschneidendste in den letzten 300 Jahren. Ein Drittel unseres Landes würde sich verabschieden. Das Vereinigte Königreich würde in Stücke gerissen.”

Sollten sich die Gegner der schottischen Unabhängigkeit durchsetzen, könnte das Vereinigte Königreich ein eben solches bleiben.