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Zu den Waffen - jesidische Freiwillige im Irak wehren sich

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Zu den Waffen - jesidische Freiwillige im Irak wehren sich

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Bilder aus einem Trainingscamp an der Grenze zur Autonomen Region Kurdistan. Diese Männer sind Jesiden. Im Irak sind Tausende Angehörige dieser religiösen Gemeinschaft bedroht und auf der Flucht. Die Männer wollen sich wehren gegen die Gefahr, die von den Kämpfern der Terrorgruppe Islamischer Staat ausgeht.

“Wir wollen uns hier ausbilden lassen und dann unsere Familien verteidigen und unserem Land Ehre erweisen. Die kurdischen Kämpfer helfen uns dabei. Sie haben uns Nahrung geben, Uniformen und Waffen”, so der jesidische Freiwillige Hussein Mired.

Die Jesiden sind eine diskrete religiöse Gemeinschaft, die bisher wenig hat von sich reden machen. Ihre Flucht im Irak hat sie ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.

Die Verfolgung der Jesiden begann allerdings viel früher. Schon vor Jahrtausnden lebten Jesiden im alten Mesopotamien. Sie sprechen einen kurdischen Dialekt, verstehen sich selbst aber nicht als Kurden. In ihrer Religion finden sich Elemente aus Islam, Christen- und Judentum. Im Mittelpunkt steht Melek Taus, der Engel-Pfau. Der Islam allerdings kennt diesen als Ausgeburt der Hölle, als Teufel selbst. Hier liegt auch die Wurzel ihrer Verfolgung im Irak. Die dschihadistischen Kämpfer der Organisation Islamischer Staat halten die Jesiden für Teufelsanbeter.

Sie sind weder Juden, noch Moslems, noch Christen – seit Jahrhunderten werden sie deshalb diskriminiert. Auch im Osmanischen Reich kam es im 19. Jahrhundert zu Massakern, was viele nach Zentralasien fliehen ließ.

Im Irak leben heute zwischen 200.000 und 600.000 Jesiden, bis zu 110.000 in Georgien, Armenien und Azerbaidschan, bis zu 20.000 Jesiden in Syrien, weniger als 500 in der Türkei. Eine große Gemeinschaft gibt es in Deutschland.

Bis zu ihrer Vertreibung lebten die irakischen Jesiden in der Gegend des Sindschar-Gebirges. “Ich weiss nicht, ob wir jemals wieder zurück können. Wir wollen das auch gar nicht mehr”, so ein Flüchtling. Wenn er heute zurück ginge, sei er morgen tot, so sagt er.

Eine wohl realistische Einschätzung. Denn den islamistischen Kämpfern gelten die Jesiden als des Teufels, unbekehrbar und daher zum Sterben bestimmt. Rettung, so meinen Beobachter, könnte einzig von den Perschmerga kommen, kurdischen Kämpfern, die nun von westlichen Ländern unterstützt werden. Für die Jesiden im Irak ist diese Hilfe eine Frage von Leben und Tod.