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Die Zeit heilt keine Wunden - Rassenunruhen in den USA

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Die Zeit heilt keine Wunden - Rassenunruhen in den USA

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Es ist der erste Tag im Jahr 2010, Neujahr, als der junger Afroamerikaner Oscar Grant von einer Polizeikugel in den Rücken getroffen wird und stirbt. Der Polizist wird später aussagen, versehentlich geschossen zu haben. Zwei Jahre geht er dafür ins Gefängnis. Die Wut über das als zu milde erachtete Urteil treibt die Menschen auf die Straße.

Proteste afroamerikanischer Bürger gegen die Herrschaft der Weißen sind Teil der Geschichte der USA. Im Jahr 1963, nach 85 Jahren der Rassentrennung und nach einem Jahrzehnt der Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King, folgt der Marsch auf Washington, an dem 250.000 Schwarze und Weiße teilnehmen.

Ein Jahr später dann der Durchbruch: Martin Luther King steht in erster Reihe, als Präsident Lyndon Baines Johnson den Civil Rights Act unterzeichnet. Damit verstößt Diskriminierung aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder nationaler Herkunft mit sofortiger Wirkung gegen das Gesetz.

Doch die Probleme sind damit nicht gelöst. In den 60er Jahren kommt es erneut zu Rassenunruhen. Diese enden zuweilen tödlich, wie 1965 in Watts, zwei Jahre später in Detroit und schließlich 1968, nach dem Mord an Martin Luther King. Allein dabei sterben Dutzende, Tausende werden verhaftet.
Die beiden kommenden Jahrzehnte, die 70er und 80er Jahre verlaufen ruhiger.

Und doch flammt der Konflikt wieder auf, spätestens nach der betrunkenen Fahrt des Rodney King – er hatte in Kalifornien versucht, einer Polizeikontrolle zu entkommen. Eine Minute und zwanzig Sekunden schlagen Polizisten auf ihn ein. Eine hauptsächlich aus Weißen bestehende Jury spricht die Polizisten schließlich frei. Erneut entlädt sich die Wut der Bevölkerung in den Straßen.

Im Jahr 2008, mehr als 40 Jahre nach Luthers berühmt gewordenen Worten “I have a dream” geschieht das bisher Undenkbare. Die USA wählen einen schwarzen Präsidenten. Doch auch auf die Wahl Barack Obamas folgt kein grundsätzlicher Wandel. Daran erinnert im Jahr 2012 auf grausame Weise der Fall Trayvon Martin. Der 17-Jährige wird von einem Nachbarschaftswachmann mit lateinamerikanischen Wurzeln erschossen. Es folgen Ausschreitungen. Bisher hielt sich Obama zurück, diesmal zeigt er Solidarität und äußerte sich: “Wenn ich einen Sohn hätte, er wäre Trayvon Martin ähnlich…”

Immer wieder flammen in den USA Rassenunruhen auf. Auf allen Seiten daran beteiligt ist eine Generation, die offenbar nicht mehr gewillt ist, den Dialog als Mittel der Verständigung gelten zu lassen. Die wirtschaftlich angespannt Lage in den USA wird den Druck, unter dem weite Teile der Bevölkerung stehen, auch in Zukunft weiter erhöhen.