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Apfeloffensive gegen Putin

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Apfeloffensive gegen Putin

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Das russische Importverbot für europäische Lebensmittel trifft Polens Apfelbauern hart. 500.000 bis 700.000 Tonnen Äpfel exportiert Polen nach Russland. Angesichts der dieses Jahr erwarteten Rekordernte, ein besonders schmerzlicher Absatzverlust.

Doch Polens Bauern und Intellektuelle sind erfinderisch. Aus ihrer Aversion gegen den großen Nachbarn machen sie keinen Hehl und rufen munter auf zum „Apfel-essen-gegen-Putin“. Die Aktion stieß auf enormes Echo in den sozialen Medien. Selfies apfelessender Polen sind auf Twitter unter dem Hashtag #jedzjabłka der Hit. Und auf den Straßen werden kostenlos „Äpfel der Freiheit“ verteilt. Selbst Staatspräsident Bronislaw Komorowski biss publikumswirksam in einen solchen.

Doch ganz so einfach wird das nicht werden. Um die Exporte nach Russland zu kompensieren, müssten die Polen ihren Apfelverzehr glatt verdoppeln.

In Deutschland haben sich viele Obstbauern auf den Export nach Russland spezialisiert. Dort sind besonders große und rote Äpfel gefragt. Für die gibt es im Rest der Welt weniger Nachfrage. Was einst als Premiumware teuer nach Russland verkauft wurde, wird jetzt zu Niedrigstpreisen versaftet. Da die Preise für Kelterobst weitaus niedriger sind als für Tafelobst, ist fraglich, ob da jeder deutsche Apfelbauer seine Kosten erwirtschaften kann. Da würde eine „Äpfel-essen-gegen-Putin-Kampagne“ vielleicht helfen.

Das muss sich auch Österreichs Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) gedacht haben. Rupprechter schätzt, dass in Österreich Exporte im Wert von etwa 100 Millionen Euro vom russischen Boykott betroffen sind. In Anlehnung an die polnische Kampagne fordert er einen „nationalen Schulterschluss“. Wenn jeder einen Apfel pro Woche mehr esse, dann könne man diesen Marktausfall im Obst- und Gemüsebereich schließen, sagte Rupprechter dem ORF. Außerdem forderte er eine grüne Exportoffensive für “die strategischen Zukunftsmärkte China und Asien”.

Das könnte strategisch gesehen kein schlechter Gedanke sein, schließlich verschieben sich als Folge von Handelskonflikten oft langfristig Warenströme. Vielleicht könnten ja Europas Obstbauern neue Märkte dauerhaft erschließen, so wie Südamerikas und Serbiens Bauern jetzt in Russland einen neuen Markt finden.

Natürlich verspricht auch die europäische Kommission in Brüssel den betroffenen Bauern Hilfszahlungen. Erzeuger von knapp 20 leicht verderblichen Obst- und Gemüsesorten können die EU-Hilfe beantragen. Damit dürfte dann kaum jemand unter dem russischen Einfuhrverbot leiden müssen, außer Europas Steuerzahler, die dürfen nämlich für die 125 Millionen Euro aufkommen, die die EU verteilen möchte.