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Olympische Brachen - Athens teures sportliches Erbe

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Olympische Brachen - Athens teures sportliches Erbe

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Zehn Jahre nach Ende der Olympischen Spiele in Athen ziehen die damals eigens für die Wettkämpfe errichteten Anlagen erneut Aufmerksamkeit auf sich. Volleyballfelder, Schwimmbecken und Ruderstrecken liegen brach und verkommen.

Griechenland scheint finanziell nicht in der Lage, die Bauten für kommende Generationen zu erhalten. Nur 15 Tage waren die Anlagen im Einsatz, eine teure Angelegenheit. Zu einer dauerhaften, gar gewinnbringenden Folgenutzung kam es nie.

Im Jahr 2004 war Stella Ntala als Freiwillige im Einsatz. Sie erinnert sich an den Optimismus, den die Olympischen Spiele damals verbreiteten: “Das Strahlen der Leute um mich herum, ihr Lächeln, das ist die stärkste Erinnerung. Ich werde nie vergessen, wie stolz wir 2004 waren. Und wir hatten Hoffnung auf eine besser Zukunft. Wir dachten, dass Griechenland ein besseres Land werden würde, dank der Spiele.”

Vor ein paar Jahren dann hat die griechische Regierung angekündigt, zukünftig Profit aus den Anlagen schlagen zu wollen. Sie sollen gesäubert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht, andere privatisiert werden. Doch warum erst jetzt? Kostas Kartalis, Generalsekretär der Spiele in Athen im Jahr 2004, kennt die Gründe: “Es hat einen Nutzungplan gegeben, für jede Anlage. Nach 2004 hat die neue Regierung dann entschieden, diese nicht umzusetzen. Politische Interessen spielten da eine Rolle. Wir haben den Moment wohl verpasst, haben den Geist der Spiele verloren. Deshalb sieht es heute auf manchen Anlagen so aus.”

Einige Griechen sind heute davon überzeugt, dass die Kosten der Spiele das Land überhaupt erst in die wirtschaftliche Krise geführt hätten. Der Sprecher der Olympischen Spiele 2004, Stratos Safioleas, hält den Vorwurf für nicht haltbar: “Wer das behauptet, scheint im Mathematikunterricht nicht besonders gut aufgepasst zu haben. Die Spiele haben uns 8 Milliarden Euro gekostet. Im Jahr 2009, fünf Jahre später, war das Land mit 320 Milliarden Euro verschuldet.”

Mehrere hundert Milliarden Schulden – nichts davon ist offenbar in den Erhalt der olympischen Anlagen geflossen. Viele Griechen empfinden das als ein weiteres Armutszeugnis, als Beweis dafür, dass in den letzten Jahrzehnten die Falschen am politischen Ruder saßen.

“Im Jahr 2004 hatte Griechenland die Schlacht gewonnen. Zehn Jahre später scheint das Land den Krieg verloren zu haben. Der Stolz auf die eigene Schaffenskraft ist Enttäuschung und Ärger gewichen. Dabei gibt es noch eine Chance: noch ist es nicht zu spät, der Krise auch mithilfe der brachliegenden Anlagen entgegen zu treten”, so Euronews-Reporter Apostolos Staikos.