Eilmeldung

Eilmeldung

Syriens entrückter Krieg

Sie lesen gerade:

Syriens entrückter Krieg

Schriftgrösse Aa Aa

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien sind bisher mehr als 190.000 Menschen getötet worden. Diese beängstigende Zahl hat das Hohe UN-Kommissariat für Menschenrechte veröffentlicht. Die Dunkelziffer könnte weit höher liegen. Unter den Toten dürften der UN zufolge mindestens 8800 Minderjährige sein.

Mittlerweile hat Syrien einen traurigen Rekord aufgestellt. Mehr als neun Millionen Menschen wurden entwurzelt und sind auf der Flucht.Mehr als 2,5 Millionen Syrer wurden in benachbarten Ländern als Flüchtlinge registriert.

Die Vereinten Nationen warnen vor Untätigkeit und fordern die internationale Verständigung auf Hilfsmaßnahmen, um der laufenden humanitären Katastrophe Einhalt zu gebieten. “Die Mörder, Zerstörer und Folterer in Syrien konnten sich nur dank der allgemeinen Tatenlosigkeit durchsetzen. Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden begangen, all das ungestraft”, so Rupert Colville, Menschenrechtssprecher der Vereinten Nationen.

Was im Jahr 2011 als Volksaufstand begann, hat sich vom “Arabischen Frühling” zum grausamen Bürgerkrieg entwickelt. Im Sommer 2013, nachdem die syrische Armee die Bevölkerung mit Chemiewaffen angegriffen hatte, reagierte die internationale Gemeinschaft und drohte Damaskus mit einer militärischen Offensive.

Doch nichts geschieht. Allein zu einer Abgabe aller syrischen Chemiewaffen kann man Baschar Al-Assad bewegen. Angeblich ist die Auslieferung der Waffen abgeschlossen. Doch die internationale Gemeinschaft zweifelt an der Aufrichtigkeit der Regierung.

Große Hoffnungen wurden in die Diplomatie gesetzt. Doch der Dialog zwischen den Parteien scheint ein unerreichbares Ziel. Sogar ein militärisches Eingreifen ist nicht ohne weiteres durchsetzbar. Die westlichen Staaten bräuchten grünes Licht vom UN-Sicherheitsrat, der bleibt vom Veto Chinas und Russlands blockiert. Navi Pillay, Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte rügt die Uneinigkeit der Staaten: “Kurzfristige geopolitische und strategische Interessen haben die Staaten dazu gebracht, unerträgliches menschliches Leid zu tolerieren – und damit auch eine Langzeitbedrohung für den internationalen Frieden und unser aller Sicherheit zu befördern.”

Am 13. Mai hat der Vermittler im Syrrienkonflikt, der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi, nach zwei Jahren Amtszeit das Handtuch geworfen. Es war ihm nicht gelungen, einen Friedensprozess zwischen der Regierung in Damaskus und der Opposition voranzubringen.

Der Rückzug Brahimis steht beispielhaft für das Versagen der Diplomatie. Eine Lösung, gar Friede für Syrien, scheint damit in unerreichbare Ferne gerückt zu sein.