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Annie Leibovitz beim Sarajevo Filmfestival

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Annie Leibovitz beim Sarajevo Filmfestival

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Zum 20. Mal hat in der Hauptstadt von Bosnien Herzegowina das Sarajevo Filmfestival stattgefunden. Unter den Eingeladenen: der britische Regisseur Mike Leigh, der eine Meisterklasse hielt, und Michael Winterbottom, der mit einer Retrospektive geehrt wurde.

Das Filmfestival, das 1995 im Krieg gegründet wurde, ist heute eine wichtige Plattform für die Produktion und Finanzierung von Filmprojekten in der südosteuropäischen Region. Über 700 Fachleute besuchten das Festival.

“In der ganzen Region gibt es eine junge talentierte Generation, die über neue Dinge spricht. Langsam aber sicher lassen wir den Krieg – speziell in Exjugoslawien – hinter uns. Die Themen handeln mehr von der Übergangszeit, von Familiendingen, von den Problemen der neuen Generation und von ihren Herausforderungen”, so der Festivaldirektor Mirsad Purivatra.

Unter den Ehrengästen auf dem Roten Teppich, die amerikanische Fotografin Annie Leibovitz, die dem Festival einen Überraschungsbesuch abstattete. Vor 20 Jahren während des Krieges machte sie eine Fotoreportage in der belagerten Stadt: “Es gibt so viel Energie in Sarajevo. Es ist wie nach einem Waldbrand, wenn wieder Gras und Blumen wachsen. Alles ist jetzt so richtig lebendig in der Stadt, anders als früher, da gab es eine Art heroischer Lebendigkeit. Es ist ein Privileg hier zu sein.”

Der Hauptpreis für den Besten Film dotiert mit 16.000 Euro ging an den Debutfilm “Song of My Mother” des türkischen Filmemachers Erol Mintas. Als bester Schauspieler wurde der Türke Feyyaz Duman für seine Hauptrolle in “Song of My Mother” geehrt. Er spielt einen Lehrer, der mit seiner alten Mutter zusammenlebt und zwischen ihr und seiner schwangeren Freundin hin und her gerissen ist. Der Film spielt in einem Vorort von Istanbul, wo viele kurdische Flüchtlinge leben.

‘‘Der Film handelt von einer kurdischen Familie, die in der Türkei lebt. Wir haben versucht, einige Fakten zu thematisieren, mit denen sich Kurden in den vergangenen Jahren auseinandersetzen mussten und die hoffentlich nicht wieder passieren”, so Erol Mintas. Feyyaz Duman ergänzt: ‘‘Die kurdische Sprache wird nicht an der Schule unterrichtet. Es war schwer, damit zu arbeiten. Als Autor muss man eine Sprache professionell nutzen können. Es war das erste Mal, dass ich auf kurdisch gearbeitet habe. Aber da sie uns ausgezeichnet haben, haben wir anscheinend gute Arbeit geleistet.”

Auch der Film “Brides” wurde zwei Mal ausgezeichnet: die georgische Regisseurin Tinatin Kajrishvili gewann den Sonderpreis der Jury und Mari Kitia wurde für ihre Hauptrolle als beste Schauspielerin geehrt. Der Film erzählt die Geschichte von Nutsa, die den Vater ihrer Kinder heiratet, der im Gefängnis sitzt. So kann sie ihren Mann ein Mal im Monat hinter Glas sehen. Doch eines Tages lernt sie einen anderen Mann kennen.

“Der Film basiert auf meinen eigenen Erfahrungen, es war schwierig, einen so persönlichen Film zu drehen”, erzählt Tinatin Kajrishvili. Euronews-Reporter Wolfgang Spindler: “Wie sind Sie auf die Idee gekommen?” Tinatin Kajrishvili: “Mein Mann war sechs Jahre im Gefängnis.”

Die in Sarajevo geborene und in London lebende Regisseurin Una Gunjak gewann mit “The Chicken” den Preis für den besten Kurzfilm. Sie ging mit ihrer jungen Hauptdarstellerin auf die Bühne. Der Film spielt im Krieg. Selma bekommt zum sechsten Geburtstag ein lebendes Huhn. Als sie realisiert, dass das Tier getötet werden soll, um die Familie zu ernähren, lässt sie es frei. Beim Versuch, das Huhn wieder einzufangen, wird die Mutter zum Ziel eines Scharfschützen.

Insgesamt wurden dieses Jahr an die 250 Filme aus 60 Ländern beim Sarajevo Filmfestival gezeigt: “Was einst vor 20 Jahren unter Belagerung während des Bosnienkrieges begann, ist heute eines der renommiertesten Filmfestivals in Ost-Europa, wo Filme aus dieser Region internationale Aufmerksamkeit finden”, so Wolfgang Spindler, aus Sarajevo für euronews.