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EZB-Chef Draghi rempelt Austeritätspolitik an

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EZB-Chef Draghi rempelt Austeritätspolitik an

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Die Hoffnung auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die europäischen Aktienanleger in Kauflaune versetzt.

EZB-Chef Mario Draghi hatte auf dem traditionellen Notenbankertreffen in Jackson Hole, Wyoming, USA, gesagt, er wolle die immer niedrigere Inflation in der Währungsunion, falls nötig, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln beschleunigen und so die Wirtschaft ankurbeln. Auch die Finanzpolitik könne “eine größere Rolle” spielen, so Draghi, ohne Deutschland zu erwähnen – hier gelten Strukturreformen und Etatkonsolidierung in Europa als Prioritäten.

“Das Risiko, bei der Nachfragestärkung zu wenig zu tun und damit die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu verschlimmern, ist ganz klar größer, als zu viel zu tun”, sagte Draghi.

Viele verstanden das als Plädoyer für ein Ende der Austeritätspolitik.

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi hatte zuletzt mehr fiskalische Nachsicht von seinen europäischen Partnern gefordert. Um sein Land reformieren zu können, müssten zunächst höhere Schulden akzeptiert werden.

Aus Sicht der Märkte sind breit angelegte Wertpapierkäufe (Quantitative Easing) nun wahrscheinlicher geworden, so Lutz Karpowitz, Analyst der Commerzbank.

Die EZB berät am 4. September wieder über die geldpolitische Lage.

Federal-Reserve-Chefin Janet Yellen ließ auch diesmal nicht durchblicken, wann die Fed zum erstenmal seit der Finanzkrise wieder den Leitzins erhöhen könnte. Es sei seit der zurückliegenden Rezession schwieriger geworden, das Problem der Arbeitslosigkeit zu bewerten, sagte sie. Die Fed wolle vorher noch weitere Beweise für die Gesundung des Arbeitsmarktes sehen.

Die Konferenz in Jackson Hole findet seit mehr als drei Jahrzehnten in jedem Jahr statt. Sie gilt als Möglichkeit für Notenbanker, in einem informellen Rahmen ihre Gedanken über aktuelle Probleme auszutauschen. Organisiert wird das Symposium von der regionalen Notenbank Kansas City. Das übergeordnete Thema in diesem Jahr war die “Neubewertung der Arbeitsmarktdynamik” – also
das Problem der Beschäftigungslosigkeit.

su mit dpa