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Betrugsvorwurf in Afghanistan: Abdullah boykottiert Nachzählung der Präsidentschaftswahl

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Betrugsvorwurf in Afghanistan: Abdullah boykottiert Nachzählung der Präsidentschaftswahl

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Der erste demokratische Machtwechsel in Afghanistan gestaltet sich weiter schwierig. Zweieinhalb Monate nach der Stichwahl zog Präsidentschaftsbewerber Abdullah Abdullah nun seine Beobachter einer UN-geleiteten Neuauszählung der Stimmen zurück und boykottiert damit den Prozess. Gegenkandidat Aschraf Ghani tat kurz darauf das gleiche.

Ghani hatte nach einer vorläufigen Auszählung der Stichwahl plötzlich vor dem zunächst führenden ehemaligen Außenminister Abdullah gelegen. Abdullah spricht von Wahlbetrug und hatte verlangt, dass weit mehr Stimmzettel für ungültig erklärt werden. Bisher wurden sämtliche Stimmzettel aus 72 Wahllokalen des Landes von der Zählung ausgeschlossen.

US-Außenminister John Kerry hatte sich seit der Stichwahl zweimal vor Ort um eine Lösung der Streitigkeiten bemüht. US-Diplomaten halten nun erneut Krisengespräche mit beiden Kandidaten. Laut Vertretern der Vereinten Nationen pausiere die Nachzählung kurzzeitig.

Der unabhängige Aschraf Ghani stammt aus der größten afghanischen Volksgruppe der Paschtunen. Abdullah Abdullah gehört der Minderheit der Tadschiken an, die sich mit den USA gegen die Taliban verbündet hatten und in Regierung und Verwaltung viele hochrangige Ämter bekleiden. Beobachter befürchten eine weitere Spaltung des Landes entlang ethnischer Linien.

Der bisherige Amtsinhaber Hamid Karzai durfte wegen seiner bereits abgeleisteten zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren.