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Klassische Musik in Berliner Werkstatt

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Klassische Musik in Berliner Werkstatt

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Was auf den ersten Blick wie ein Konzertsaal aussieht, ist auf den zweiten Blick eine alte Werkstatt in Berlin-Wedding. Oft riecht dort auch noch nach Öl. Schließlich wurden hier bis 2006 noch Straßenbahnen der Berliner Verkehrsgesellschaft repariert. Doch mithilfe der klassischen Musik ist das alte Gebäude zu neuem Leben erwacht.

Christoph Schreiber organisiert die Konzerte. Er ist eigentlich Neurologe Neurologe in einem Krankenhaus in der Nähe und restauriert in seiner Freizeit alte Pianos.

Er möchte vor allem Leute erreichen, die sonst eher nicht zu einem klassischen Konzert in einem großen Konzertsaal gehen würden. Die Stufe, die man überwinden müsse, um zu so einem Konzert zu gehen, sollte möglichst klein sein, sagt Schreiber. “Dass man kein Abonnement braucht, dass man keinen Dress Code braucht, dass man nicht umheimlich viel Money, keine Bildung braucht, dass man einfach hingehen kann, ganz spontan auch, und diese Erfahrung machen kann.”

Der Ort heißt Piano Salon Christophori in Anlehnung an den Italiener Bartolomeo di Francesco Cristofori, der 1709 in Florenz das erste Hammerklavier entwickelt haben soll. Im Salon befindet sich außerdem eine Sammlung historischer Konzert- und Kammerflügel. Schreiber hat mehr als 200 Stücke, viele sind über 100 Jahre alt, alle unverkäuflich.

Der französische Pianist Julien Quentin ist einer der Künstler, die hier auftreten. Zwar hat er schon in vielen Konzertsälen gespielt, doch das Erlebnis in der Werkstatt unterscheidet sich davon sehr. Es fühle sich wie ein Zuhause an, erklärt er. “Es herrscht eine besondere Stimmung, die auch das Publikum fühlt. Sie sind viel näher an uns als sonst. Wir fühlen uns also der Musik und den Leuten nah. Und das fühlt sich gut an.”

Das ganze Jahr über finden mehrere Konzerte pro Woche statt. Zuhörer müssen zwar im Voraus einen Sitzplan auf der Internetseite des Piano Salons Christophori reservieren, doch gibt es keine Eintrittskarten. Nach dem Konzert kann jeder entscheiden, wie viel er für die Darbietung spenden will.