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Strenggläubige Juden müssen Indio-Ort in Guatemala verlassen

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Strenggläubige Juden müssen Indio-Ort in Guatemala verlassen

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Ein entlegener Ort in Guatemala sollte für diese strenggläubigen Juden das Zuhause werden: Jetzt aber verlassen sie den Ort; bei der einheimischen Indio-Bevölkerung haben sie sich unbeliebt gemacht.

Gut zweihundert Menschen gehören zu der Gruppe, den sogenannten Lev Tahor, gegründet vor rund dreißig Jahren in Kanada.

Einige lebten schon hier, die anderen kamen im März aus Kanada hierher nach Mittelamerika, nach San Juan La Laguna.

Sie fühlen sich jetzt vertrieben. Ihr Sprecher Misael Santos bestreitet den Vorwurf, sie hätten sich gegenüber Einheimischen und Touristen schlecht benommen. Rechtlich gesehen dürften sie leben, wo sie wollten: Man solle sich doch bitte an die Gesetze halten.

Man wolle keinen zweiten Holocaust, sagt Ingrid de Santos, eine Frau aus der Gruppe; deshalb gehe man – ohne viel Nachdenken, aber traurig. Sie selber habe hier sieben Jahre gelebt.

Der Ältestenrat von San Juan La Laguna hatte diese Woche entschieden, die jüdische Gruppe müsse gehen. Er wirft den Juden vor, sie hätten sich nicht an das Leben im Ort angepasst.

Die Gruppe, so die Ältesten, habe anderen ihren Glauben und ihre Lebensweise aufdrängen wollen und die hiesige Kultur der Indios gefährdet. Sie selbst hätten sich eingeschüchtert gefühlt.

Auch in Kanada waren die strenggläubigen Lev Tahor mit ihren strikten Verhaltensregeln angeeckt. Sie lebten dort zunächst in der Provinz Quebec, in Sainte-Agathe-des-Monts.

Die Jugendämter haben sie in Verdacht, sie würden minderjährige Mädchen an ältere Männer in der Gruppe verheiraten. Außerdem lassen sie ihre Kinder demnach
nicht zur Schule oder zu Ärzten.

Es gab Hausdurchsuchungen sowie Urteile und Anordnungen, wonach Kinder aus der Gruppe – und möglicherweise sogar alle – in Pflegefamilien gegeben werden sollten.

Ein Gericht in der Provinz Ontario, wohin sich die Lev Tahor inzwischen geflüchtet hatten, kippte aber das entsprechende Urteil aus Quebec. Die Richterin äußerte jedoch gleichzeitig schwere Bedenken, was das Wohlergehen der Kinder angeht.

Die Lev Tahor sind dermaßen strenggläubig, dass sie selbst bei vielen Juden als Sekte gelten. Unter anderem lehnen sie das Konzept eines Staates Israel ab. Ihr tägliches Leben haben sie strengstens reglementiert, mit Schwerpunkt auf dem Gebet.