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Aus dem Keller auf die Bühne: Kiosk sind auf Tour

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Aus dem Keller auf die Bühne: Kiosk sind auf Tour

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Kiosk ist eine iranische Rock- und Bluesband, von der wir möglicherweise noch viel hören werden. Da ihre Musik in dem islamischen Staat zensiert wurde, zogen sie 2006 nach Nordamerika. Nun sind sie auf Tour – auf beiden Seiten des Atlantiks. Und dies ist etwas, was sich Gründungsmitglied, Sänger und Songwriter Arash Sobhani nie hätte vorstellen können: “Wir hatten keine Pläne, hatten nicht vor, ein Album zu machen. Es war nur ein Projekt unter Freunden. Wir wollten das Land zu dem Zeitpunkt nicht verlassen. Wir haben nur zum Spaß etwas aufgenommen, das ist alles. Wir haben nichts erwartet. Damals hatten wir nicht vor, die Songs raus zu bringen und ich persönlich wollte kein Album veröffentlichen.”

Ihren Namen verdankt die in den 90er Jahren gegründete Band ihren Anfängen: Kiosk wurden im Iran die behelfsmäßigen Musikstudios in Privathäusern genannt. Kiosk war gezwungen ihre Musik im Geheimen, in Kellern von Freunden und Verwandten, zu produzieren. Auch wenn die Bandmitglieder nun in New York und Toronto leben, haben ihre Texte häufig immer noch einen sozialkritischen Charakter. Ardalan Payvar erklärt: “Ich kann nicht sagen, dass ein Album mehr oder weniger von der iranischen Gesellschaft beeinflusst ist. “Adama Mamoli” ist sehr davon beeinflusst, aber man könnte auch sagen, der Rock ist zurückgekehrt bei unserem jüngsten Album. In meinen Augen waren wir immer inspiriert vom Iran.”

Kiosk ist eine der wenigen “Untergrund”-Bands, die den Sprung über den großen Teich geschafft hat und die erfolgreich im Ausland produziert. Ihren Erfolg wollen sie nun jedoch auch teilen: Kiosk fördert viele junge iranische Künstlerinnen und Künstler. Keyborder Ardalan Payvar weiß, welche Probleme Rockbands im Iran haben: “Untergrundmusik ist Musik, die nicht erlaubt ist, zumindest im Iran. Deshalb wird sie in Kellern produziert, es gibt keine Konzerte, keinen Gewinn, die Regierung unterstützt sie nicht. Kiosk war eine Undergroundband, aber jetzt ist sie mehr als eine Undergroundband, wir sind eine Independentband.”

Zensierte Bands im Iran haben nun jedoch auch eine gute Möglichkeit, ihre Musik über das Internet öffentlich zu machen. Durch das Internet sind einige Musikgruppen weltweit bekannt, ohne dass die Regierung davon weiß. Arash Sobhani erinnert sich an die Anfänge der neuen Möglichkeiten: “Als wir mit unserer Arbeit anfingen, gab es eine Revolution in der Welt der Kommunikation, die uns die Möglichkeit gegeben hat, gehört zu werden. Vor 15, 20 Jahren gab es kein iTunes, kein Internet. Jetzt ist das Web zugänglich für Independentbands. Als wir anfingen, entstand die Möglichkeit, die Musik weit zu verbreiten, viele Bands vor uns haben das gemacht. Es waren gute Bands, aber heute hat keiner mehr etwas von ihnen gehört.”

Vier Alben haben Kiosk mittlerweile aufgenommen. Auf ihrem aktuellen Tourplan standen Städte wie Paris, Berlin, Amsterdam und München. Das nächste Konzert findet am 28. September in New York statt.