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Kautschukquelle Löwenzahn: Forscher optimieren Pflanzen

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Kautschukquelle Löwenzahn: Forscher optimieren Pflanzen

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Löwenzahn als Kautschuklieferant? Hobbygärtner freuen sich selten über die Pflanzen auf ihren gut gepflegten Grünflächen. Für Wissenschaftler am Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Münster haben diese Pflanzen jedoch einen besonderen Wert: Aus russischem Löwenzahn gewinnen sie Naturkautschuk. Eine Quelle für rund 40.000 Produkte des täglichen Lebens. Projektleiter Prof. Dr. Dirk Prüfer erklärt: “Wir versuchen zu verstehen, welche Gene für die Produktion von Naturkautschuk verantwortlich sind. Mit dem Wissen möchten wir neue Pflanzen kreieren, die mehr Kautschuk, stabileren Kautschuk produzieren.”

Das durch diese Art gewonne Naturprodukt verhält sich genauso wie der bislang verwendete Naturkautschuk aus subtropischen Gummibäumen. Die Ernte von Löwenzahnfeldern in Europa könnte im Vergleich jedoch kostengünstiger ausfallen. Zudem könnte der Löwenzahn auf Landflächen angebaut werden, die bisher nicht für die Landwirtschaft nutzbar waren. Der Rekordpreis für Kautschuk aus Gummibäumen tut sein übriges, um die Suche nach Alternativen anzutreiben. Doch die Forschungsarbeit ist langwierig, weiß Prof. Prüfer: “Eine der größten Herausforderungen bei der Erforschung des Löwenzahns war es, Pflanzen zu produzieren, die ein verbessertes Gummi haben, die ein gutes ökonomisches Verhalten auf dem Feld zeigen. Wir züchten seit Jahren, um neue Eigenschaften bei den Pflanzen zu entwickeln, stabile Eigenschaften, zum Beispiel ein stabiler Kautschukgehalt.”

Der neue Kautschuk durchläuft nun Testphasen, um zu beweisen, ob er dem Vergleich mit herkömmlichem Kautschuk stand hält. Die Forscher rechnen damit, dass es noch einige Jahre dauern wird bis die ersten Löwenzahnreifen auf den Markt kommen.
Doch selbst wenn der neue den alten Kautschuk nicht völlig ersetzen könnte: Die Reifenhersteller würden sich bereits über eine ergänzende Quelle freuen.

Das Wachstum von Pflanzen wird auch in Singapur erforscht. Wissenschaftler in einer Produktionshalle nutzen eine innovative Technik, um Wachstumszeit und Kosten von Pflanzen zu reduzieren. Der Inselstaat importiert derzeit 95 Prozent seiner Produkte. In der Panasonic Lab-Farm soll das Gemüse nun vor Ort wachsen. Neue LED-Technologien ermöglichen hier beispielsweise die exakte Auswahl des für das Wachstum der Pflanzen notwendigen Lichttyps. Der Geschäftsführer der Agrarabteilung der Panasonic Factory, Alfred Tham, erklärt: “Unsere LEDs sind speziell entwickelt, um Sonnenstrahlen, die für die Photsythense wichtig sind, zu simulieren. Wir kontrollieren die Einstellungen und die Dauer der Beleuchtung, um einen optimale Anbau für sie zu erreichen.”

Das richtige Licht anzuschalten ist für die Forscher jedoch nur eine Möglichkeit, die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken. Um so wenig wie möglich dem Zufall zu überlasen, werden weitere Wachstumsfaktoren genau überwacht. Afred Tham: “Wir messen und steuern die Bodenfeuchte und den pH-Wert bei verschiedenen Prozessen, unser Wasser durchläuft auch unser Filtersystem, um eine optimale Qualität, die am besten für das Pflanzenwachstum ist, zu erreichen.” Dem Manager zufolge kann mit dem High-Tech-Ansatz in der Landwirtschaft die Zeit, die die Pflanzen bis zur Reife brauchen, deutlich reduziert werden.

In einem lokalen Restaurant kommt das High-Tech-Gemüse bereits auf den Teller. Und: Den Gästen schmeckts!