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Viele Deutsche lehnen Sinti und Roma ab

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Viele Deutsche lehnen Sinti und Roma ab

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Keine andere Gruppe stößt in Deutschland auf so viel Ablehnung wie Sinti und Roma. Das zumindest ist das Ergebnis einer Studie, die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes jetzt in Berlin vorgestellt hat.

So wurde im Zuge der Untersuchung die Frage gestellt: “Wie angenehm oder unangenehm wäre Ihnen eine bestimmte Gruppe in der Nachbarschaft?”. Sinti und Roma schnitten am schlechtesten ab, auf dem zweiten und dritten Platz folgten Asylbewerber und Muslime. Jeder dritte Deutsche fände Sinti und Roma als Nachbarn demnach “sehr oder eher unangenehm”.

Die Chefin der Behörde, Christine Lüders, nannte die Ergebnisse “dramatisch”. Sie sagte, Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Ablehnung bildeten zusammen eine fatale Mischung, die Diskriminierungen gegenüber Sinti und Roma den Boden bereiteten.

Gut die Hälfte der Befragten gaben an, Sinti und Roma seien selbst schuld an den Feindseligkeiten ihnen gegenüber. Ebenfalls jeder Zweite glaubt, Einreisebeschränkungen seien ein geeignetes Mittel, um Probleme mit Sinti und Roma zu verringern. Um ein gutes Zusammenleben mit Sinti und Roma zu erreichen, halten gut 80 Prozent der Befragten es für notwendig, den Missbrauch von Sozialleistungen durch diese Gruppe zu bekämpfen. Und 78 Prozent gaben an, es müsse härter gegen von Sinti und Roma ausgehende Kriminalität vorgegangen werden.

Besonders viel Ablehnung gegenüber Sinti und Roma äußerten Anhänger von CDU/CSU mit 26 Prozent. Die geringsten Ablehnungswerte fanden die Forscher unter FDP-Anhängern.

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, sagte: “Die Studie zeigt, dass es eine hohe Ablehnung von Sinti und Roma gibt und dass tiefsitzende Vorurteile immer wieder reaktiviert werden können.” Das Feindbild “Zigeuner” sei in Deutschland hoch virulet.

Als Konsequenz aus der Studie schlagen die Antidiskriminierungsstelle und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma unter anderem vor, eine Bildungsakademie für Sinti und Roma aufzubauen. Außerdem soll es eine stärkere Mitarbeit in Gremien und Rundfunkräten geben. Sinti und Roma sollten zudem in regelmäßigen Abständen nach ihren Erfahrungen mit Diskriminierung befragt werden. Ihr Schutz durch Behörden und Polizei müsse verbessert werden. Sinti und Roma sind die größte Minderheitengruppe in Europa.

Die Studie “Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung – Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma” basiert auf einer Forsa-Umfrage. Das Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität in Berlin und das Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung ließen dafür 2001 Deutsche befragen.

(mit dpa)