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Ebola - "keine afrikanische Krankheit sondern eine globale Krise"

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Ebola - "keine afrikanische Krankheit sondern eine globale Krise"

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Wie kann Ebola bekämpft werden? In Genf suchen 200 Experten nach einer internationalen Strategie, um den bisher schlimmsten Ausbruch der Epidemie einzudämmen: Noch nie gab es so viele Ebola-Tote und -Krankheitsfälle, wie aus Zahlen der Weltgesundheitsorganisation hervorgeht. Laut WHO-Chefin Margaret Chan ist Ebola keine afrikanische Krankheit mehr, sondern eine golbale Krise.

Ein geeignetes Heilmittel ist weiter im Entwicklungsstadium. Bisher wurde keine Behandlung offiziell anerkannt. An Impfstoffen und weiteren Behandlungsmöglichkeiten wird noch gefeilt – was ethische und logistische Probleme nach sich zieht – und lange dauert.

Kostbare Zeit, in der sich das Virus weiter ausbreitet. Laut WHO sind bisher 3500 Fälle registriert und 1900 Menschen an Ebola gestorben. Das sind fast 500 Tote in der vergangenen Woche.

Wegen der prekären Gesundheitsversorgung in Afrika breitet sich die Epidemie schnell aus. Es fehlt an geeigneter Ausrüstung und geschultem Personal. Traurige Ironie: Auch 120 medizinische Mitarbeiter erlagen bereits dem Virus in Westafrika. Jeder Körperkontakt muss vermieden werden.

Das gelingt nicht immer: Diesen Montag floh ein ausgehungerter Patient aus einem Krankenhaus in Monrovia in einen Supermarkt, wo er von Ärzten aufgegriffen wurde.

Liberia ist neben Guinea und Sierra Leone am schlimmsten von der Ebola-Welle betroffen. Es gibt auch einige Fälle in Nigeria. Im Senegal wurde bisher ein Ebola-Kranker registriert. Er reiste aus Guinea ein.

Die Weltgesundheitsbehörde befürchtet, dass insgesamt bis zu 20.000 Menschen an der Epidemie erkranken und sich diese in bis zu zehn Ländern ausbreitet.

Montag wird deshalb die Afrikanische Union kurzfristig zusammen kommen, um eine gemeinsame Strategie auszuarbeiten. Maßnahmen stehen zur Diskussion – wie die Schließung von Häfen, Grenzen und das Streichen von Flügen.

Wie gefährlich ist Ebola? Die Einschätzung des Gesundheitsexperten Dr. Edward Wright der Universität Westminster:

Nial O’Reilly, euronews:
“Dr. Edward Wright, während sich Ärzte und Fachpersonal in Genf versammeln, gibt es Berichte, wonach die Neuinfizierungen immer schneller zunehmen. Kommt diese Konferenz zu spät?”

Dr. Edward Wright, Universität Westminster:
“Sicher nicht. Jede neue Maßnahme der Konferenz ist eine gute Sache, die hilft, eine Verbreitung des Virus und damit der Krankheit zu begrenzen. Es muss jedoch gesagt werden, dass dieser Ausbruch beispiellos ist. Die Totenzahl ist aktuell doppelt so hoch als noch vor 40 Jahren, als das Virus erstmals auftrat. Mit so einem Ausbruch hatten wir es vorher noch nie zu tun. Wissenschaftler, Forscher, Ärzte, Gesundheitsexperten – wir alle lernen gerade dazu und tun unser Bestes, die Krankheit zu kontrollieren.”

euronews:
“Wie stark sind Sie beunruhigt als Wissenschaftler über die Krise, die – wie Sie sagen – beispiellos ist?”

Wright:
“Wenn Sie Ebola in Vergleich zu anderen Krankheiten sehen wie Malaria mit jährlich 800.000 Toten und dem Aids-Virus, das jährlich 1,6 Millionen Menschen tötet, dann müssen wir zwar wachsam sein, denn es handelt sich offensichtlich um eine zerstörerische Krankheit. Aber einfache Eingriffe und Strategien können helfen, eine weitere Ausbreitung kontrolliert zu begrenzen.”

euronews:
“Welche Risiken birgt das beschleunigte Verfahren von Impfstoffen? Sollten wir diese trotzdem eingehen?”

Wright:
“Alle Impfstolle, alle Medikamente, die auf den Markt gelangen und menschliche Erkrankungen bekämpfen, gehen durch einen Reglementierungsprozess, der streng kontrolliert wird. Wenn es sich jedoch um einen Notfall handelt – wie jetzt um das Ebola-Virus, dann greifen wir manchmal auf beschleunigte Verfahren von Impfstoffen und Medikamenten zurück, die noch in der Testphase sind, an denen aber jahrelang gearbeitet wurde. Wir wissen bereits eine Menge über diese Impfstoffe und Medikamente, was uns ein Urteil ermöglicht, wie schnell diese für Versuche an Menschen eingesetzt werden können.”

euronews:
“Sie wissen mehr über die Behandlung, die der britische Krankenpfleger erhielt, bei dem nun Entwarnung gegeben wurde. Welche Behandlung erhielt er und wie wirksam ist sie?”

Wright:
“Fünfzig Prozent der Menschen in Afrika, die sich mit Ebola infizierten, haben überlebt. Sie nahmen viel Flüssigkeit auf und erhielten lindernde und unterstützende Hilfsmaßnahmen. Der britische Patient William Pooley, der vor kurzem das Londonder Royal Free Krankenhaus verlassen durfte, erhielt ein so genanntes geheimes Serum – eine Mischung aus Antikörpern, die das Virus angreifen. Damit wurden beim derzeitigen Ebola-Ausbruch sieben Menschen behandelt: Fünf überlebten, zwei von ihnen erlagen der Krankheit. Selbst wenn Kranke nicht damit behandelt werden, liegen die Überlebenschancen bei 50 Prozent. So steht die Frage weiter im Raum, wie wirksam diese Behandlung und die Impfstoffe überhaupt sind, die derzeit entwickelt werden.”