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Klezmer, Kuchen und Kunst auf dem jüdischen Sommerfestival in Budapest


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Klezmer, Kuchen und Kunst auf dem jüdischen Sommerfestival in Budapest

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Zur Begegnung mit einer Jahrtausende alten Kultur lädt das jüdische Sommerfestival in Budapest.
Die diesjährige 17. Ausgabe steht im Zeichen der Erinnerung an den 70. Jahrestag der Deportation der ungarischen Juden.
Ein Ort des Gedenkens ist etwa die Synagoge in der Rumbach Straße. Hier begann für viele Juden der Weg in den Tod. Die Ausstellung “Prayers after Auschwitz” ist eine künstlerische und theologische Hommage, erklärt Kurator Adam Galambos.

“Wir haben Rabbis, Bischöfe und Theologen eingeladen, ein kurzes Gebet mit dem Titel ‘After Auschwitz (Nach Auschwitz)’ zu schreiben und dann Künstler gebeten, dazu passende Werke zu schaffen. Diese Kunstwerke illustrieren die Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Religionen und Nationen.”

In der Dohány Straße steht Europas größte und vielleicht schönste Synagoge, der zentrale Austagungsort des jüdischen Sommerfestivals.
Heute brodelt im traditionellen jüdischen Viertel wieder das Leben mit zahlreichen Kneipen und Geschäften. 2000 begann nach Jahren des Zerfalls die grundlegende Sanierung des Viertels, das während des Zweiten Weltkriegs für tausende Juden zum ausweglosen Ghetto wurde.

Zur Eröffnung des Festivals spielte die renommierte Budapest Klezmer Band in der Synagoge. “In der Regel kommen drei- bis viertausend Zuschauer zu unseren Konzerten”, erklärt Ferenc Javori, Pianist und Gründer der Band. “Juden und Nichtjuden tragen die Kippa, nehmen Teil am jüdischen Kulturreichtum und kehren erfüllter wieder nach Hause zurück.”

Diverse Veranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen und Filmvorführungen stehen auf dem Programm. Und nicht zu vergessen: die kulinarischen Genüsse! Etwa der beste Flodni der Stadt, von Torten-Designerin Rachel Raj. “Der Flodni ist ein sehr wichtiger traditioneller jüdischer Kuchen und wird vor allem zu Festtagen serviert. Ich sage immer, das Wichtigste ist, dass die Seele der jiddischen Mamas im Kuchen steckt, also nur das Beste vom Bestem. Zuerst kommt eine Mohnschicht, dann Apfel, Walnuss und Pflaumenmus.”

Das jüdische Sommerfestival ist eine weitere Attraktion für die vielen Besucher der Stadt an der Donau. Manche kommen extra wegen des Festivals nach Budapest auf den Spuren ihrer jüdisch-ungarischen Wurzeln. Wie diese amerikanische Touristin. “Ich freue mich, dass es ein jüdisches Festival gibt. Meine Familiename hat jüdische Wurzeln. Es ist wunderbar, hier an einer Kultur teilzuhaben, die mit der eigenen Geschichte zu tun hat.”

“Ich wollte schon seit Jahren kommen”, sagt eine ungarische Besucherin. “Mein Mann hat mich mit dem Ticket an meinem Namenstag überrascht.”

Zu den Highlights des Festivals gehört der Auftritt des Kammerchors der Musikhochschule Jerusalem. Dessen Leiter, Stanley Sperber, ist freut sich über Teilnahme.

“Für uns ist es eine große Ehre, hier zu sein. Wir hören schon seit vielen Jahren von diesem Festival. George Adam, dem Vater eines Chormitglieds, ist es zu verdanken, er stellte den Kontakt zum Festival her, so kam die Einladung zustande.”

Viel hat sich er verändert seit der Gründung des Festivals 1998. Die Leiterin Vera Vadas erinnert sich. “Bei der ersten Ausgabe war es nicht einfach, im Radio oder auf Plakaten dafür zu werben. Das Wort jüdisch hatte einen negativen, abfälligen Beigeschmack. Dem jüdischen Sommerfestival ist es gelungen, das zu ändern. Heute steht das Wort für eine wunderbare Kultur.”

Ebenfalls mit dabei, der New Yorker Klezmer-Trompeter Frank London mit der ungarischen Band Nigun.
Das Festival geht noch bis zu diesem Wochenende.

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