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Wachsende Nervosität in Großbritannien: Mehrheit für Unabhängigkeit Schottlands

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Wachsende Nervosität in Großbritannien: Mehrheit für Unabhängigkeit Schottlands

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Im Vereinigten Königreich nimmt zehn Tage vor der Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands die Nervosität zu. Nachdem sich in den Meinungsumfragen ein dramatischer Meinungsumschwung zugunsten der Unabhängigkeit abzeichnete, hatte die britische Regierung – fast panisch – größere Befugnisse für Schottland versprochen. Für die schottischen Nationalisten kein akzeptables Angebot.

“Wenn die Menschen in Schottland substantielle Befugnisse zur Bewahrung unserer öffentlichen Dienstleistungen, zur Schaffung von Arbeitsplätzen haben wollen und sicherstellen wollen, dass sie nicht eine konservative Regierung bekommen, die sie nicht gewählt haben, dann gibt es dafür nur eine Garantie, und die ist mit Ja zu stimmen”, sagte Nicola Sturgeon, stellvertretende Ministerpräsidentin von Schottland und stellvertretende Vorsitzende der regierenden Schottischen Nationalpartei (SNP).

Ihr Landsmann Alistair Darling, der Chef der Anti-Unabhängigkeitskampagne „Better Together“ (Zusammen ist besser) schürt Angst.

“Das ist endgültig! Wenn wir gehen, gibt es kein zurück. Und ich glaube, wenn die Menschen in den kommenden 10 Tagen darüber nachdenken, was auf dem Spiel steht, dann bin ich immer zuversichtlicher, dass wir gewinnen werden”, sagte Darling, der in der Regierung Cameron Schatzkanzler ist.

Die Unabhängigkeitsgegner hatten ihren Wahlkampf lange damit bestritten, vor einer Unabhängigkeit zu warnen und mit der Nicht-Mitgliedschaft in der EU und dem Verlust des Pfund Sterling als Währung zu drohen. Doch die einstmals komfortabele Mehrheit für das Nein-Lager in den Meinungsumfragen nahm stetig und zuletzt immer schneller ab. Bis sich am Sonntag erstmals in einer Meinungsumfrage von „YouGov“ für die „Sunday Times“ (befragt wurden 1.084 Schotten zwischen dem 2. und 5. September) eine Mehrheit von 51 % für die Unabhängigkeit ergab.

Der britische Premierminister David Cameron hatte sich aus der Debatte weitgehend herausgehalten, seine Konservativen sind in Schottland äußerst unpopulär. Ein Engagement Camerons, sagen Experten, wäre nur kontraproduktiv gewesen.

Wahltaktisch könnten Camerons Konservative sogar von einer Unabhängigkeit Schottlands profitieren. Nach den Berechnungen der Meinungsforscher von „YouGov“ würden bei einer Unterhauswahl im Vereinigten Königreich Labour auf 316, die Konservativen auf 280 Sitze kommen. Ohne die schottischen Wahlkreise lägen die Konservativen mit 278 zu 274 jedoch knapp vor Labour.

Weiterführende Links

YouGov: Full results: Scottish independence (2nd-5th September, 2014) (englisch)

The Scottish Government: Scotland's Referendum (englisch)

Yes Scotland's future in Scotland's hands (englisch)

better together: a stronger Scotland, a United Kingdom (englisch)

euronews: Schottische Unabhängigkeitsbewegung gewinnt Fernsehduell