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Englisch-schottische Grenzgänger besorgt

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Englisch-schottische Grenzgänger besorgt

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Berwick upon Tweed. Ein typischer malerischer Grenzort. Die Kleinstadt mit 13.000 Einwohnern liegt in England, rund sechs Kilometer von der schottischen Grenze entfernt. Berwick upon Tweed ist beispielhaft für die wirtschaftlichen Herausforderungen, die eine mögliche Unabhängigkeit Schottlands mit sich bringen würde.

Die Fleischerei Skelly wurde 1760 gegründet – 53 Jahre nach der Vereinigung. John Skelly verkauft typische Produkte aus England UND aus Schottland. Viele Händler sind beunruhigt. John Skelly meint, “für Berwick wird es sich nicht lohnen, glaube ich. Viele unserer Kunden kommen aus den umliegenden Städten und Dörfern in Schottland.”

Seite an Seite stehen englische und schottische Waren auch in den Regalen bei Gavin Jones. Kommt es zur Unabhängigkeit, rechnet er mit finanziellen Nachteilen. Gavin Jones erklärt, “wir nehmen schottische und englische Geldscheine an. Für uns macht das keinen Unterschied. Wenn Schottland unabhängig wird, dann könnten aus den fünf Pfund drei oder sieben Pfund Sterling werden. Das macht unser Preissystem nur komplizierter und bedeutet zusätzliche Bankgebühren für unser Geschäft.”

Jahrhundertelang wechselte Berwick upon Tweed die Seiten: 13 Mal wanderte es von schottischer in englische Hand und umgekehrt. Englisch wurde es offiziell erst im 19. Jahrhundert. Daher die doppelte Identität, die viele hier spüren.

Die Bürgermeisterin gibt zu Bedenken, “es könnte echte Grenzen geben, die die Menschen hier regelmäßig überqueren müssten, stündlich, täglich. Wenn das tatsächlich passiert und man seinen Reisepass braucht, dann hat das Konsequenzen für die Leute in Berwick.”

Jenseits der Grenze in Schottland befürchten viele Menschen wirtschaftliche Konsequenzen. Doch wenn es um Beschäftigung, Exporte und das Geschäftsleben geht, sind nicht alle einheitlicher Meinung. 200 Chefs von hauptsächlich kleinen und mittelständischen Unternehmen haben eine Petition FÜR die Unabhängigkeit unterschrieben.

Unter ihnen der Direktor des Gleneagles Hotel in Glasgow, Andrew Fairlie. “Ein unabhängiges Schottland wird unserer Meinung nach gut für den Handel sein. Es gibt viel mehr Möglichkeiten für kleine und mittlere Betriebe in Schottland. Wir sind zuversichtlich, dass es sich lohnt,” hofft der Hoteldirektor.

130 schottische Chefs betonen ihrerseits die starken Handelsbeziehungen zu London, von denen fast eine Million schottische Arbeitsplätze abhängen. Ihrer Meinung nach soll alles beim Alten bleiben. Unter ihnen Keith Cochrane, Chef der Weir-Gruppe für Projektplanung: “Ich bin stolz, Schotte zu sein. Ich habe mein ganzes Leben lang in Schottland gelebt und gearbeitet. Doch es ist vereinbar, gleichzeitig Teil des Vereinigten Königreichs zu sein.”

Wenn es um die entscheidende Wahl geht, fallen neben Wirtschaft und Identität auch unsichere Faktoren wie die Währung und die Zugehörigkeit zur Europäischen Union ins Gewicht.