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Ölpreise: Der „Schmierstoff der Wirtschaft" rutscht ab

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Ölpreise: Der „Schmierstoff der Wirtschaft" rutscht ab

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Eine schwächelnde Nachfrage bei gleichzeitig reichhaltigem Angebot hat den Ölpreis noch einmal gedrückt – und das trotz der Krisen und Kriege in mehreren wichtigen Produktionsregionen.

Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee gab seit Juni um rund ein Zehntel nach.

Das Barrel war mit gut 98 Dollar so billig wie zuletzt Anfang Mai 2013. “Die Sommer-Reisesaison ist vorbei und es gibt keine Versorgungsengpässe”, so Ken Hasegawa vom Brokerhaus Newedge, Rohstoff-Händler in Tokio.

Ole Hansen, Rohstoff-Experte bei der Saxo Bank in Kopenhagen:

“Ein wachsendes Angebot hält die Preise unter Druck. Ein Teil der geopolitischen Risikoprämie, die sich über den Sommer aufgebaut hatte, vor allem in Bezug auf den Irak, ist verschwunden. Nun kommt eine Jahreszeit, in der die Nachfrage der Raffinerien in der Regel eher zurückgeht. Das könnte kurzfristig noch schwächere Preise bedeuten.”

Das Erdöl-Angebotskartell OPEC
geht in seinem aktuellen
Ölmarktbericht von einer weiteren Nachfragedelle Mitte 2015 aus.

Die OPEC-Länder produzieren 40% des weltweit geförderten Öls und sitzen auf über 81% der aktuell nachweisbaren Reserven. Werden sie die Produktion drosseln?

Ole Hansen, Rohstoff-Experte bei der Saxo Bank in Kopenhagen:

“Im vergangenen Jahr hat die OPEC mehr produziert, vor allem, um Libyens Lieferrückgang auszugleichen. Das Land kommt jetzt zurück, eine Reaktion ist zu erwarten, früher oder später. Im Moment steigt die Produktion im Irak, möglicherweise auch im Iran. Saudi-Arabien dürfte bereit sein, auf Marktanteile zu verzichten.”

Und die Konjunktur? Kann nur profitieren. Als die Ölpreise im Februar 2000 von reichlich 10 $ pro Barrel im März 1999 auf bis zu 28 Dollar stiegen, klagten Experten (HWWA):

Die Verteuerung des „Schmierstoffes” der Wirtschaft
belaste die Leistungsbilanz der ölimportierenden
Länder, verteuere die private Lebenshaltung und
wirke über eine Verminderung des verfügbaren Realeinkommens und eine Verschlechterung der Terms
of Trade dämpfend auf die Konjunktur.

Mahmoud Kilani, Sigrid Ulrich mit dpa, Reuters