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Großbritannien ohne Schottland? Geteiltes Leid, geteilte Freud

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Großbritannien ohne Schottland? Geteiltes Leid, geteilte Freud

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Einiges spricht für eine schottische Unabhängigkeit: Die starke nationale Identität, das eigene Parlament und der solide Tourismus-Sektor. Doch lohnt sich die Loslösung für Schottland finanziell?

Derzeit ist die britische Wirtschaft 2.443 Milliarden Euro schwer – die schottische 193 Milliarden Euro.

Ebenso verhält es sich mit der Größe der Märkte, die in keinem Verhältnis zueinander stehen. Was das betrifft, ist es nach Meinung des schottischen Unternehmers Allan Watson ein Nachteil, sich vom großen britischen Bruder abzunabeln. Er meint, “wenn ich plötzlich nur noch Kunden unter fünf bis sechs Millionen Schotten finde im Vergleich zu 60 Millionen Briten, dann macht das ein Zehntel meiner Gesamt-Kundschaft aus. Das reicht nicht zum Überleben.”

Ein weiterer Knackpunkt: Das liebe Geld. Welche Währung hätte ein unabhängiges Schottland? Obwohl Schottland seit Jahrhunderten eigene Geldscheine druckt, ist die Währung auf der Insel überall die gleiche.

Und das soll auch so bleiben, meint Alex Salmond, der Hauptverfechter einer schottischen Unabhängigkeit.

Das sehen viele in London allerdings anders. Dort will man kein gemeinsames Geld mehr mit Schottland, sollte der Landesteil wegbrechen… Auf lange Sicht kein Problem, meint Duncan Ross, schottischer Experte der Universität Glasgow: Der Wegfall der gemeinsamen Währung sei eine schwierige Sache für Schottland. Er denke aber nicht, dass es dazu kommen würde. Ansonsten gebe es andere Optionen, die eine unabhängige Währung mit sich bringe.

Eine Scheidung zieht auch eine Gütertrennung nach sich – wie die der Bodenschätze. Die großen Ölvorkommen würden hauptsächlich in schottischen Gewässern liegen.

Richard Kerley vom Zentrum für öffentliche schottische Politik erinnert: “Die Slogans in den 70er und 80er Jahren lauteten: Das Öl gehört zu Schottland. Es gibt internationale Präzedenzfälle über Verhandlungen darüber, wo eine Trennlinie auf dem Meeresgrund gezogen wird. Das ist nicht einfach. Es wird aber zu einer Einigung zwischen einem unabhängigen Schottland und dem Vereinigten Königreich kommen.”

Das gleiche Szenario droht den Goldreserven des Vereinigten Königreichs, wenn Schottland seinen Anteil fordert. Sie sind fast zehn Milliarden Euro schwer, Großbritannien liegt damit an 18. Stelle im weltweiten Vergleich.

Geteilte Freud, geteiltes Leid. Denn London würde dann wohl auch auf eine Aufteilung der britischen Schulden von 600 Milliarden Euro pochen.